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Atlantenstufung

Atlas für die Orientierungsstufe, CornelsenWie die Überschrift vermuten lässt, geht es im Folgenden um eine lehrplanorientierte vertikale Stufung von Schulatlanten, nicht um eine horizontale Wertstufung der Atlanten verschiedener Verlage.

Das Problem des stufenförmigen Aufbaus eines Atlasses oder mehrerer separater Atlantentitel, die jahrgangsgestuft bzw. niveaugestuft sind, wird schon länger diskutiert (vgl. Menüs „Nutzerorientierte Gestaltung“ und „Unterrichtliche Kartenarbeit“ sowie Literatur 1 bis 6). Das „Für und Wider“ ist vielschichtig. Ein Atlantenwechsel während der Schulzeit eines Schülers ist auf jeden Fall zu begrüßen (Verschleiß, Aktualität, Niveauveränderung, regionale und thematische Erweiterungen), wobei auch einige „konzentrische Kreise“ nicht vermeidbar sind.

Von den Schulbuchverlagen wird ein stufenfömiger Aufbau (für den Sachkunde- und für den Geografieunterricht) heutzutage (2009) weitgehend befürwortet und praktiziert. Allerdings besteht in Deutschland kaum eine Einheitlichkeit; die vorherrschende 2er-Stufung von separaten Schulatlanten ist variationsreich (z. B. kleine und große Ausgaben von Weltatlanten, Heimat- bzw. Regionalatlanten und Weltatlanten, Elementaratlanten und Weltatlanten mit Regionalteilen etc.). Es wird häufig gegliedert in Grundschulatlanten und Atlanten für die Mittel- und Oberstufe (vgl. Wikipedia-Artikel „Schulatlas“), wobei noch oft der Schultyp (z. B. Hauptschule, Gesamtschule, Realschule und Gymnasium) beachtet wird. Nur in 2 von 16 deutschen Bundesländern umfasst die Grundschule noch die Klassen 5 und 6 (Berlin und Brandenburg).

In der zentral geleiteten DDR hatte sich eine 2er-Gruppierung der Schulatlanten herausgebildet (Auflistung der Schulatlanten-Titel Ostdeutschlands 1945 - 1990 sowie Literatur 2); eine 3er-Stufung (Mehrstufiges Schulatlaswerk) war Ende der 80er Jahre republikweit vorgesehen.

In der heutigen Verlagsgemeinschaft Cornelsen/Volk und Wissen wurden unter Federführung des Volk und Wissen Verlages und unter konzeptioneller sowie fachberatender Mitwirkung des Autors dieser Homepage für die fünf neuen Bundesländer ab 1997 jeweils Heimatatlanten mit den Teilen „Vom Bild zur Karte“, „Eigener regionaler Landesteil“ und gekürzter „Allgemeiner Länderteil“ (Deutschland, Europa und Welt im topografischen Überblick) entwickelt. Sie waren als Länderausgaben für den Heimatkunde- bzw. Sachkundeunterricht der Klassen 3 und 4 bestimmt. Die Ausgaben für das Land Brandenburg und auch für Berlin erhielten einen ausführlichen Deutschland-Teil (Geografie-Lehrplan der Klasse 5 bzw. der Klassen 5 und 6); bei dem Heimatatlas Brandenburg wurde Europa durch relativ großmaßstäbige allgemein-geografische Karten vollständig abgedeckt. Für den Geografieunterricht der Mittel- und Oberstufe dienten der Atlas „UNSERE WELT – Mensch und Raum“, der von Cornelsen als kleine Ausgabe (1998 ff.) und als große Ausgabe (1998 ff.) eines Weltatlasses mit jeweiligem Regionalteil (Länderausgabe) entwickelt wurde.

Der Klett-Perthes Verlag gibt u.a. neben einem kleinen speziellen Elementaratlas „ALEXANDER Kartenheft“ (Einführung der Schüler in das Kartenverständnis – ab 2004) Länderausgaben des „Haack  Grundschulatlas“ (z. B. Sachsen ab 2008, Hessen ab 2009) heraus, gefolgt von „ALEXANDER SchulAtlas – Sekundarstufe I“ und „ALEXANDER  Gesamtausgabe – Sekundarstufen I und II“. Beide langjährigen Alexander-Titel sind nicht als Regionalausgaben konzipiert. Die Gesamtausgabe in didaktisch gestufter Konzeption für alle kann wegen treffend ausgewählter thematischer Beispiele auch als Hochschulatlas genutzt werden.

Der Schulbuchverlag Schroedel bringt seit längerer Zeit die Regionalserie „Karte, Bild, Wort“ für die Grundschule heraus. Für Berliner Schulen wurden der „ Harms Berliner Grundschulatlas“ (1991 ff., 2001 ff.) und der „ Harms Weltatlas“ mit gekürztem Berliner Regionalteil (1999 ff.) herausgegeben. (Bei beiden Atlastiteln war der Autor als Fachberater tätig). Der „Harms Weltatlas“ ist vorwiegend für die Sekundarstufe I bestimmt, ist mit entsprechenden Regionalteilen für mehrere Bundesländer als jeweilige Regionalausgabe erschienen.

Das Bildungshaus Westermann hat auch für die Grundschule neben einem Schülerband „Start in die Kartenwelt“ (2003 ff.) regionaldifferenzierte Atlanten („Diercke Grundschulatlanten“) herausgebracht (z. B. Thüringen 2005 ff., Bayern 2006 ff.), in einer Stufung gefolgt von den Regionalausgaben des „Diercke Weltatlas – Ausgabe 2“ (2002 ff.) und des „Heimat und Welt – Weltatlas“ (2002 ff.) und vom allgemeingültigen „Diercke Weltatlas“ (2008 ff.). Letztgenannter ist nicht nur als Gesamtatlas für Sek. I und Sek. II gedacht, sondern kann auch wegen der zahlreichen Fallbeispiele als Hochschulatlas beansprucht werden.
Erwähnenswert als in sich gestufter Atlas ist der „Westermann Geschichtsatlas“ (2006 ff.), der didaktisch gut aufgebaut ist (Karteneinführung, häufige Kombinationen von bildhaften Zeichnungen und Karte, quantitative Darstellungsmethoden).

Die heutige Digitalität in der Herstellung und in der Nutzung kartografischer Medien wird die Stufung in der inhaltlichen und grafischen Gestaltung sowie eine systematische Niveausteigerung der Könnensentwicklung in der Kartennutzung wesentlich fördern.

Literatur

1 BREETZ, E. /GÖRTLER, W.: Überarbeiteter „Atlas für die 4. und 5. Klasse“. In: Ztschr. f. d. Erdkundeunterr., H. 5/1986, S.253-256.

2 GÖRTLER, W.: Stufenatlanten für den Geographieunterricht. Gotha 1975. (Unveröff. Studie).

3 HEYN, E.: Die Arbeit mit dem Atlas auf der Oberstufe der Gymnasien. In: Der Erdkundeunterricht (Hrsg. Geipel, R. u. Hinrichs, E.), H. 11/1970, S. 25-40.

4 HINRICHS, E.: Schule – Schüler – Schulatlanten. Ein Plädoyer für den Stufenatlas. In: dito, S. 3-15.

5 NEHLSEN, F.: Atlanten nach Alterstufen. Von der Grundschule bis zum zehnten Schuljahr. In: dito, S. 16-24

6 SPERLING, W.: Einige psychologische und pädagogische Fragen der Einführung in das Kartenlesen und -verstehen. Ein Plädoyer gegen den Stufenatlas. In: dito, S. 41-50.

 

Abbildung: Cover aus "UNSERE WELT - Atlas für die Orientierungsstufe". Cornelsen Verlag, Berlin 1993.