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Binnenländisches Flussdelta – Spreewald

SpreewaldSpreewald – vom Fluss Spree durchflossene Waldlandschaft, Binnenlanddelta oder „deutsches Venedig“? Spreewald – auf sorbisch/wendisch „Blota“ - heißt eigentlich Sumpfland (Vorstellung: Auenwälder und Moore). Der Spreewald ist eine einzigartige Wasserlandschaft im Südosten des Bundeslandes Brandenburg.

Er ist heute (2011) eine feuchte, langgestreckte Flussniederungslandschaft (Biosphärenreservat seit 1990) von der Malxe-Niederung bei Peitz bis zum Neuendorfer See im Norden, eine Landschaft, die ein etwa 50 Kilometer langes Gebiet beiderseits der Spree einnimmt und sich in den Oberen Spreewald und den Unteren Spreewald gliedert; die Teilung erfolgt an einer Talenge bei Lübben. Diese Landschaft weist eine mosaikartige Struktur auf: Keinen weitgehend geschlossenen Laubmischwald im Sumpfgebiet der Spree trifft man an, sondern ein Labyrinth von ca. 300 Nebenarmen (Fließen), Kanäle und Gräben, Laubwaldflecken (Erlen, Eschen, Weiden,Birken, Pappeln oder Eichen), Flachmoore, Brüche, Wiesen, Äcker, Gartenflächen und menschliche Siedlungen nehmen das Naturparadies ein.

Wasserläufe dienen als wichtige Verkehrswege - „deutsches Venedig“; von Baumreihen und ihrem Unterholz flankierte Wasseradern zerschneiden das Terrain, verwandeln es spiegelbildlich in eine „Insellandschaft“. Die „Inseln“ (wasserumflossene Talsandhügel bzw. -flächen) tragen oftmals Einzelgehöfte oder Ortschaften. Die Gewässer sind gleichzeitig Gehöft- und Flurgrenzen. Einige Inseln sind durch hochstaksige Holzbrücken (Bänke; Durchfahrtmöglichkeit für flache Stechkähne) und befestigte Wege bzw. Straßen miteinander verbunden. Besonders der Obere Spreewald erscheint als eine vielgestaltige „Flussinsellandschaft“.

Auf den flachen Fließen und Kanälen des Spreewaldes wurden und werden gestakte Kähne als Verkehrs- und Transportmittel (besonders im Tourismus) benutzt. Bedeutende „Fährhafenorte“ sind die Städte LÜBBEN und LÜBBENAU sowie das Dorf BURG.

Die Aufgliederung der Spree in den Hauptfluss und zahlreiche Nebenarme, die sich zum größten Teil später (flussabwärts) wieder zu einem Fluss vereinigen, ist eine „Binnendelta-Bildung“ und bedingt eine „Flussinsellandschaft“.

Die verbreitete „Moorbildung“ der Vergangenheit (Mächtigkeit nur bis 0,5 Meter) vollzog sich vemutlich während längerer Überschwemmungszeiten, wobei unter Luftabschluss des vermodernden Laubes der Auenurwälder eine Vertorfung einsetzte.

Kreis CottbusDie einzigartige Niederungslandschaft, deren oberer Teil den größeren und älteren Abschnitt bildet, ist während und nach der letzten Kaltzeit (Weichselglazial) entstanden und liegt vorwiegend im Glogau-Baruther Urstromtal. Der Obere Spreewald mit einer Breite von ca. 10 Kilometern hat ein Höhenniveau von etwa 60 m ü.NN bei Peitz bis etwa  51 m ü.NN bei Lübbenau; für den schmaleren Unteren Spreewald schlagen ca. 50 m ü.NN bei Lübben bis ca. 45 m ü.NN bei Neuendorf am See zu Buche.

Die Urspree benutzte ab dem Raum Leibsch – Neuendorf einen nordwestlichen Weg, floss  über die Region des heutigen Städtchens Märkisch Buchholz im rezenten Tal der mittleren Dahme zum Warschau-Berliner Urstromtal (heute markiert diesen alten Lauf in etwa der Umflut-Kanal zwischen der Spree/b. Leibsch und der Dahme/b. Märkisch Buchholz). Flugsand-Dünen blockierten dann im Postglazial diesen Weg, so dass die Spree entsprechend den Geländegegebenheiten über das heutige Beeskow den langen östlichen Umweg nahm. Dadurch wurden das Gefälle und die Fließgeschwindigkeit verringert – und das „Binnenlanddelta“ entstand (verstärkte Ablagerung von Schwebstoffen/Schlick im Flussbett und bei Hochwasser bzw. Überschwemmungen auch auf den Landflächen, Abspaltung von Nebenarmen). Vom  Gebiet um Cottbus entstand ein Schwemmsandfächer in den Oberen Spreewald hinein, wo er etwas höhere Talsandinseln („Kaupen“) zur Besiedlung (vor allem der Sorben) bildete, z. B. die Gemeinde Burg.

Die im Oberlausitzer Bergland entspringende Spree verbindet somit als Querurstromtal bzw. als Durchbruchstal drei Urstromtäler.

Wird auch der größte Gebietsanteil des weitgehend gerodeten ehemaligen Urwaldes im Oberen Spreewald von Wiesen eingenommen, gefolgt von Feld- und Gemüsearealen (Gurke, Meerrettich, Kürbis, Senf, Zwiebel), so ist die Waldbedeckung im Unteren Spreewald (sogar Kiefern auf Sandböden) prozentual und absolut größer als im oberen Teil. Das attraktivste Territorium ist der Obere Spreewald mit seinem umfangreichen Gewässerlabyrinth und seiner malerischen Inselwelt, während der besondere Reiz des kleineren Unteren Spreewaldes, der auch über ein kleines „Flussinselreich“ verfügt, seine dichten Wälder und viele künstliche Fischteiche, die fast ausschließlich von der Hauptspree gespeist werden, sind.

In beiden Teilen des Spreewaldes befinden sich die Siedlungen (Blockhäuser vorherrschend) auf Talsand- oder Moränenflächen, die meist den Wasserspiegel nur um einige Dezimeter überragen. Beispielsweise liegt Lübben an der „Nahtstelle“ (Talenge) beider Teile vorwiegend auf Talsandterrassen. Lübbenau, das „Tor zum Spreewald“ (Highlight), mit dem Freilandmuseum Lehde befindet sich größtenteils auf einer Talsandterrasse am westlichen Rand des Oberen Spreewaldes. Das Dorf Burg erstreckt sich als typische „Streusiedlung“ mit seinen 3 Ortsteilen (Burg-Dorf, Burg-Kauper und Burg-Kolonie) im „Herzen des Oberen Spreewaldes“ größtenteils auf Ausläufern des Schwemmsandfächers von Cottbus.

Wegen des bevorzugten und verbreiteten Gurkenanbaus wurde der Spreewald auch zum "Gurkenland Deutschlands".

Eingebaute Wehre und vor allem die Talsperre Spremberg im Südlichen Landrücken oberhalb von Cottbus ermöglichen das Regulieren des Wasserstandes der Hauptspree und der vielen Fließe, Kanäle und Gräben, so dass heute kaum noch größere Überschwemmungen des einzigartigen Gebietes auftreten können.

Siehe auch:

Brandenburgische Großlandschaften
Märkische Luche – kultivierte Sumpf- und Flachmoorgebiete
Oderbruch – schlickreiche Flussniederung mit Altarmen

Literatur und Quellen:

BREETZ, E.: Schülerhandkarte „Bezirk Cottbus“ 1:400.000. Gotha 1988.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Stadt- und Landkreis Cottbus“  1:100.000. Gotha 1981.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Lübben“  1:100.000. Gotha 1982.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Calau“  1:100.000. Gotha 1983.

LÜDEMANN, J.: Spreewald. Ilmenau/Wustrow 2008.  ISBN 978-3-929993-92-9.

O. V.: Spreewald. Husum 2004.  ISBN 3-89876-162-2.

O. V.: Regionalkarte 6 „Berlin und Umgebung – Müritz bis Spreewald“ 1:150.000. Ostfildern 2005.  ISBN 3-8279-1806-5.

O. V.: Fahrradkarte „Spreewald“  1:75.000. Ilmenau/Wustrow 2006.  ISBN 3-935621-79-5.

O. V.: Spreewald – Lausitz. Ostfildern 2008.  ISBN 978-3-616-06115-3.

RASMUS, C. & KLAEHNE, B.: Naturparks in Brandenburg. Berlin 2000. ISBN 3-933135-05-2.

SCHEDDEL, K.: Ganz Brandenburg. Berlin 2004.  ISBN 3-935029-11-X.

 

1. Abbildung: Ausschnitt aus SCHÜLERHANDKARTE "Land Brandenburg" (1:600 000). Volk und Wissen GmbH, Berlin 1994 - 2. aktualisierte Auflage. (Mitarbeit: E.Breetz).

2. Abbildung: Ausschnitt aus SCHÜLERHANDKARTE "Stadt- und Landkreis Cottbus" (1:100 000). VEB H. Haack, Gotha 1981. (PTA: E.Breetz).