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Brandenburg - eiszeitlich geformtes Land

Das heutige deutsche Bundesland Brandenburg im norddeutschen Raum (2010) nimmt etwa das Gebiet der ehemaligen Region „Mittelmark“ der historischen Mark Brandenburg ein; es erhielt seine Oberflächenformung vor allem durch das Inlandeis der Eiszeit und seine Schmelzwässer. In der Eiszeit (im Pleistozän – von vor ca. 2 Mio. bis vor ca. 12 000 Jahren) gab es aufgrund periodischer Klimaschwankungen in Nordeuropa und in Norddeutschland drei Kaltzeiten (Elster-, Saale- und Weichselkaltzeit). Dazwischen lagen dem heutigen Klima ähnelnde Warmzeiten.

Ablagerungsgebiet nordischer Gletscher

Glaziallandschaften in NorddeutschlandBei seinem Vordringen nach Süden während der Kaltzeiten bearbeitete das Inlandeis in seinem Ursprungsgebiet (Skandinavien) „hobelnd“ bzw. abtragend die vorwiegend gebirgige Oberfläche. Auch das Becken der Ostsee entstand weitestgehend durch  die ausschürfende Tätigkeit der vom skandinavischen Gebirge herabgleitenden, in mehrere „Loben“ gegliederten Gletschereisdecke von 3000-4000 Meter Höhe. Die so in das Gletschereis „eingebackenen“ Felsbrocken, Gesteinstrümmer und feineren Lockermaterialien wurden auf dem weiten Transportweg abgeschliffen und zerkleinert bzw. sogar zu Kies, Sand und mergelartigem Brei zerrieben.

Beim Abtauen des Eises in unseren Regionen wurde das mitgeführte Material ausgeschieden bzw. als Moränen(-schutt) abgelagert. So wurde unsere Region zu einem  „eiszeitlichen Akkumulationsgebiet“, zu einer „eiszeitlichen (glazialen) Deponie Skandinaviens“, wobei der Südliche Landrücken (Fläming und Niederlausitz) sowie die westliche Prignitz das Altmoränengebiet (Saale-Kaltzeit) und die anderen Regionen das Jungmoränengebiet (Weichsel-Kaltzeit) bilden. Während der (letzten) Weichsel-Kaltzeit erreichte die Eisdecke mit dem Brandenburger Stadium die größte Ausdehnung nach Süden (etwa die Linie südliches Lieberoser Plattenland - Krausnicker Berge - Luckenwalder Heide - Beelitzer Heide - Lehniner Hügelland - Stadt Brandenburg - Land Schollene - Havelberg - Kyritzer Platte - Heiligengrabe/Wittstock).

Die "glaziale Deponie" wurde allerdings nicht völlig ungeordnet angelegt, sondern häufig in einer typischen, etwa nord-südlich gerichteten Abfolge von Oberflächenformen, der glazialen Serie (Grundmoräne, Endmoräne, Sander, Urstromtal).

Glaziale Serie

Meistens in der Vorstoßphase und bei Stagnation des Gletschers wurde am Grunde des Inlandeises heraushapernd das mergelige bzw. lehmige (z.T. entkalkte), auch sandige und teilweise geröllführende Material als Grundmoräne etwa wie ein Teppich abgesetzt. Sie ist eben bis flachwellig ausgeprägt und bildet den Grundstock der beiden randlichen Landrücken und der Plateaus im mittleren Teil des Landes.

Während der Stillstandsphasen der Gletscherloben, wenn sich das Abtauen des Eises und der Nachschub aus dem Norden die Waage hielten, wurden vor dem Eisrand, also am südlichen Ende des Gletschers, häufig mergelhaltiges Material, Kiese, Sande und Gesteinsblöcke als Endmoränen (Satzendmoränen) abgelagert, meist in Gestalt von Hügelketten. Sie sind besonders markant im Ruppiner Land und in der Uckermark ausgeprägt. Häufigste Endmoränenform in Brandenburg, insbesondere in der Prignitz, sind die Stauchendmoränen (Stauchungsgebiete durch Eisüberfahrung beim Vorrücken dea Eises; Aufstauchungswälle).

Das Schmelzwasser schwemmte bei den Endmoränen auch einen Teil des feinen Kieses und Sandes aus und lagerte ihn vor den Endmoränen ab. So entstanden die  Sander als leicht geneigte Flächen. Ausgedehnte Sandergebiete finden wir beispielsweise in der Wittstock – Ruppiner Heide und in der Schorfheide.

Die zahlreichen Schmelzwasserbäche sammelten sich vor dem Sander zu gewaltigen Urströmen, die in Richtung Nordwesten abflossen und durch mehrere Kilometer breite Längstäler – Urstromtäler – sowie durch schmalere Querverbindungstäler die älteren Moränenflächen wieder teilweise zerschnitten, sie in Inseln (Platten) auflösten. Diese Haupt- und Nebenurstromtäler bilden mit Talsandflächen, schlickhaltigen Arealen oder teilweise moorigen bzw. sumpfigen Böden die heutigen Niederungsgebiete (z.B. Havelländisches Luch und Spreewald).
Durch das Land Brandenburg verlaufen alle 4 norddeutschen Haupturstromtäler:

  1. Elster-Urstromtal als Teil des Breslau-Magdeburger Urstromtals
  2. Brück-Baruther Urstromtal als Teil des Glogau-Baruther Urstromtals
  3. Warschau-Berliner Urstromtal
  4. Thorn-Eberswalder Urstromtal.

Außer dem Elster-Urstromtal, auch als „Lausitzer Urstromtal“ bekannt, vereinen sich die anderen drei Schmelzwassertalungen nordwestlich von Berlin zum Tal der unteren Elbe. Daher dominieren im Havelland die fast tischebenen Niederungen. Die Grundmoränen sind meist nur noch als inselartig herausragende, flachwellige bis hügelige Ländchen bzw. Plateaus vorhanden. Das Havelland und auch Teile des südlichen Umlandes von Berlin bilden somit einen „Moränen-Archipel“.

Voreiszeitliche Erdoberfläche

Nur an wenigen Stellen ragt die voreiszeitliche Oberfläche aus der (stellenweise bis zu 300 m mächtigen) Decke von „Moränenschutt “ und Schmelzwasserablagerungen heraus. Dazu gehören beispielsweise der Muschelkalksattel von Rüdersdorf und der Granitstock des Koschenberges bei Senftenberg.

Oft wurden die älteren Schichten von einer relativ dünnen Glazialdecke (nur einige Meter mächtig) überzogen, wie zum Beispiel die ausgedehnten Braunkohlelagerstätten der Niederlausitz und die tertiären Sande und Tone bei Bad Freienwalde.

Dreigliedrigkeit der Oberflächengestalt

Entsprechend seiner geomorphologischen Vergangenheit und der orografischen Struktur wird das heutige Bundesland Brandenburg (Land zwischen Elbe und Oder; „Zwischenstromland“) hinsichtlich der Oberflächengestalt in drei Großlandschaften gegliedert:

  1. Nördlicher Landrücken
  2. Märkisches Niederungs- und Plattenland
  3. Südlicher Landrücken.

Diese 3 Großlandschaften können wieder in Hauptlandschaften und Teillandschaften untergliedert werden.

Landschaftswandel

Die Naturlandschaften auch des „mittelmärkischen“ Gebietes erfuhren in den letzten 10 000 Jahren eine Wandlung in Kulturlandschaften. Insbesondere während der vergangenen 1 000 Jahre wurden die Naturlandschaften durch Kulturlandschaften verdrängt.

Der Wald, der fast die gesamte Fläche des Territoriums zwischen Elbe und Oder einnahm (Laub- und Laubmischwald in den höheren Geländelagen; Erlenbruchwälder in den Niederungen), verschwand in vielen Regionen zugunsten der Waldweide, der Bauholznutzung, des Ackerbaus und der Grünlandwirtschaft. Die Laubbäume wurden durch schnellwüchsige Nadelhölzer ersetzt; dennoch behauptet sich heute noch das erste „Baumpärchen“ Brandenburgs: Die widerstandsfähige Birke („Unkraut des Waldes“) und die anspruchslose, tiefwurzelnde Kiefer (Charakterbaum der Mark).

Die Zersiedlung, die Anlage von Verkehrswegen, der Braunkohlentagebau, die militärische Flächennutzung, Meliorationsmaßnahmen u.s.w. trugen anteilig zu diesem Wandel bis in die Gegenwart bei.

So existieren heute im Bundesland Brandenburg großflächig nebeneinander zahlreiche Naturschutzgebiete sowie Landschaftsschutzgebiete als „naturnahe“ Landschaften einerseits, Land- und Forstwirtchaftsregionen, Siedlungs- sowie Industrie- und Gewerberäume andererseits.

Literatur und Quellen

BREETZ, E.: Landschaften. In: Brandt, M. (Hrsg.): Wissenswertes über das Land Brandenburg. Berlin 1994, S. 30-54. ISBN 3-06-092142-3.

BREETZ, E. /VIEHRIG, J.: Schülerhandkarte „Land Brandenburg“ 1:600.000. Zweite Auflage, Berlin 1994. ISBN 3-06-100342-8.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Templin“ 1:100.000. VEB H. Haack, Gotha 1986.

BREETZ, E. u.a.: Unser Land Brandenburg in Karte, Bild und Wort. Hannover 1992.  ISBN 3-626-00552-6.

GELLERT, J. F. (Hrsg.): Die Weichseleiszeit im Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1965.

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MARCINEK, J. /NITZ, B.: Das Tiefland der Deutschen Demokratischen Repubik. Gotha/Leipzig 1973.

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SCHOLZ, E. u.a.: Die naturräumliche Gliederung Brandenburgs. Potsdam 1962.

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STACKEBRANDT, W. u.a.: Atlas zur Geologie von Brandenburg. Cottbus 2002.  ISBN 978-3-9808-1574-1.

WEISSE, R. /BREETZ, E.: Die eiszeitliche Landschaft um Potsdam - Exkursionsvorschläge für Berliner Gymnasien. Berlin 1990.

 

Abbildung: Nebenkarte aus HEIMATATLAS BERLIN, S. 41/3 "Glaziallandschaften in Brandenburg". Cornelsen Verlag Berlin 2010 - 1. Aufl./2.Druck. (Konzeptionelle Atlasmitarbeit: E.Breetz).

 

Siehe auch:

Seenreiches Bundesland Brandenburg
Adernetz der Brandenburgischen Landschaften
Brandenburgische Großlandschaften
Nordbrandenburgischer Landrücken
Märkische Luche – Kultivierte Sumpf- und Flachmoorgebiete
Oderbruch – schlickreiche Flußniederung mit Altarmen
Schweizen der Mark
Binnenländisches Flussdelta – Spreewald
„Hochland“ der Mark – Fläming und Niederlausitzer Höhen

In Wikipedia:

Eiszeitalter
Platte

Urstromtal