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Entwicklungstendenzen in der Geografischen Schulkartografie der ehemaligen DDR (80er Jahre)

Atlas für die 6. bis 11. Klasse (DDR)Mit der Neubearbeitung des Lehrplans Geographie zeichneten sich für die Zeit etwa ab 1987 in der Geografischen Schulkartografie der DDR folgende Tendenzen der zentralen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten ab:

  • Termingemäßer Abschluß der schulkartografischen Großprojekte: Kreiskartenwerk (178 Titel) und Bezirkskartenwerk (15 Titel).
  • Einführung eines dreistufigen Atlaswerkes:
    • Geografischer Elementaratlas für die Klassen 3 bis 5 .
    • Geographischer Weltatlas für die Klassen 6 bis 9
    • Thematischer Atlas für die Klassen 10 und 11.
  • Verstärkte Aufnahme kombinierter Darstellungen von Luft- bzw. Satellitenbild und Karte in die Schulatlanten zur Einführung der Schüler in das Lesen und Auswerten von geografischen Karten.
  • Integration von Satellitenbildern und Satellitenbildkarten in die Schulatlanten als eigenständige kartenverwandte thematische Darstellungen für typische Regionalbeispiele (ausgewählte Landschaften oder Wirtschaftsgebiete).
  • Einführung naturnaher Karten als Atlas- und Wandkarte, die als Themakarten mit synthetisierendem Strukturniveau für großräumige Übersichtsdarstellungen und für die Darstellung spezieller Landschafts- oder Wirtschaftsgebietstypen vorgesehen waren.
  • Forcierte Verknüpfung des qualitativen mit dem quantitativen Darstellungsprinzip durch Beanspruchung der Kartodiagramm- und Kartogramm-Methode zur Erhöhung der inhaltlichen Aussagekraft und der grafischen Ausdrucksfähigkeit von Wand- und Atlaskarten.
  • Reduzierung der vorhandenen, vorrangig additiv angelegten und damit oftmals unübersichtlichen „Komplexkarten“ im Schulatlas zugunsten von Integrationskarten (vom Ordnungs- zum Wirkungsgefüge).
  • Vervollkomnung des dynamisch-genetischen Darstellungsprinzips auf Atlas- und Wandkarten, um kausale oder funktionale Entwicklungen in Territorien auszudrücken.
  • Stärkere Beanspruchung des Formats der Einblatt-Wandkarte (EWK).
  • Ersetzung einiger Wandkartentitel mit kurzzeitiger Einsatzbreite durch (Projektions-)Folienwandkarten (FOWAK).
  • Bestimmung von Niveaustufen der unterrichtlichen Kartennutzung zwecks notwendiger Steigerung des Anforderungs- und Vollzugsniveaus in der Kartenarbeit von Klasse 3 bis Klasse 11.
  • Weitere Ausarbeitung und unterrichtliche Erprobung von Handlungsplänen (Arbeitsanleitungen, Lernvorschriften) zu Verfahrensweisen der Kartenarbeit.

Literatur

BREETZ, E.: Betrachtungen zu Entwicklungstendenzen naturnaher und thematischer Kartengestaltung. In: Wiss. Zt. d. PH Potsdam, H. 3/1985, S. 459-469.

BREETZ, E.: Gestaltung und Nutzung geographischer Karten als gleichrangige Hauptglieder der schulkartographischen Kommunikationskette. Potsdamer Forschungen, Reihe C, Heft 64 (1986).

BREETZ, E.: Struktur und Entwicklungstendenzen der geographischen Schulkartographie in der DDR. In: Vermessungstechnik, H. 10/1988, S. 346-347.

BREETZ, E.: Entwicklung der geographischen Schulkartographie in der Deutschen Demokratischen Republik. In: Zeitschr. f.d. Erdkundeunterr., H. 10/1989, S. 350-368.

BREETZ, E.: Koordination und Kooperation in der geographischen Schulkartographie der DDR. In: Kartogr. Schriften, Bd. 8 (2003), S. 69-75.

GÖRTLER, W.: Stufenatlanten für den Geographieunterricht. Gotha 1975. (Unveröff. Manuskript).

SCHLIMME, W.: Das geographische Bild von der Erde – zur Weiterentwicklung des Geographieunterrichts in der DDR. In: Zt. f. d. Erdkundeunt., H. 8/9/1989, S. 293-304.

 

Abbildung: Cover des "ATLAS für die 6. bis 11. Klasse" (ATLAS der Erdkunde für die 6. bis 11. Klasse der allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule und der erweiterten Oberschule). VEB Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt, Gotha 1990 - 15. Auflage. (Beratende Atlasmitarbeit: E.Breetz).