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Fächerintegrative Gestaltung und Nutzung für die Schule

Atlas für die Orientierungsstufe, CornelsenIn den allgemeinbildenden Schulen Deutschlands ist der Geografieunterricht der größte Nutzer kartografischer Darstellungen, gefolgt vom Geschichtsunterricht. Aber auch andere Unterrichtsfächer (z. B. Sachkunde, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde, Politik, Umweltkunde) bedienen sich in wachsendem Maße kartografischer Medien in analoger und digitaler Form.

Im allgemeinbildenden Unterricht steht heute (2008) die Entwicklung des komplexen, fächerübergreifenden Denkens im Vordergrund, nicht mehr schubladenhaftes, fachspezifisches Denken und Handeln. Fachspezifisches Wissen und Können sind kooperativ und koordiniert – fächerintegrativ – anzuwenden.

Was liegt da näher, als auch – wie auf mehreren Wandkartentiteln und Posterthemen bereits praktiziert – Unterrichtsmedien zu entwickeln, die mehreren Fächern dienlich sein können, sich damit auch „überfachlich“ nutzen lassen. Auf schulkartografischem Gebiet wurde auch mit fachübergreifenden Weltatlanten ein Anfang in dieser Richtung gemacht.

So mögen – abgesehen von länderspezifischen Entwicklungen – genannt werden:
DIERCKE DREI – Verlag Westermann ab 2001 (Erdkunde, Biologie, Physik, Geschichte, Sozialkunde, Sprachen, Relgion),
ALEXANDER KombiAtlas – Verlag Klett/Perthes ab 2003 (Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde, Wirtschaft),
MENSCHEN ZEITEN RÄUME – Verlag Cornelsen ab 2002 (Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde/Politik),
HEIMAT UND WELT Universalatlas – Verlag Westermann ab 2005 (Erdkunde, Geschichte, Politik, Sozialkunde).
Alle genannten Atlastitel sind auch mit jeweils mehrfachlichen Regionalteilen erschienen.

Als „Vorläufer“ fächerintegrativer Schulatlanten sind Atlanten anzusehen, die für den Heimatkunde- bzw. Sachkundeunterricht und für den Geografieunterricht sowie für die Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) konzipiert wurden, z. B. Atlas für die 4. und 5.  Klasse – Gotha 1970 (Heimatkunde und Geografie), Atlas für die Orientierungsstufe – Berlin 1991 (Sachkunde, Geografie und Geschichte), Heimatatlas Brandenburg – Berlin 1999 (Sachkunde, Geografie und Geschichte).

Auch im digitalen Bereich zeichnen sich ähnliche Entwicklungen ab, zum Beispiel ein „Digitaler Atlas“ (Cornelsen ab 2005) – Geografie, Geschichte, Politik, nutzbar sowohl als Schülerarbeitsmittel als auch in Form eines frontalen „Wandatlasses“ (Beamer-Projektion).

Selbstverständlich sind die fächerintegrativen (fächerübergreifenden) Print-Atlanten (Kombi-/Universalatlanten) etwas umfangreicher als fachspezifische Atlanten (z. B. Heimat-, Regional-oder Weltatlanten für Geografie, Geschichtsatlanten, Atlanten zur Umweltkunde u.a.). Aber manche Kartentypen und Kartenthemen sind jeweils nur noch einmal vorhanden, können fachspezifisch genutzt bzw. beansprucht werden.

Zeitreihen, Perspektivwechsel und thematische Brennpunkte aus naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fachgebieten sind Kennzeichen der fächerintegrativen Schulatlanten, deren Grundstock meist den jeweiligen verlagseigenen geografischen Atlanten entnommen wurde. Thematische Vergleiche können von den Schülern in einem „Kartenbuch“ durchgeführt werden. Die Entwicklung des Denkens in raumbezogenen kausalen und genetischen Zusammenhängen wird wesentlich gefördert und erleichtert.

Dies gilt ähnlich auch für Handkarten, frontale Medien (Wandkarten, Posterkarten, Projektionsfolienkarten) und für digital gestaltete kartografische Unterrichtsmittel.

Die analogen kartografischen Medien werden in der nächsten Zeit für den Schulunterricht noch das Primat bilden; aber auch für die Elektronik öffnet sich hier noch ein weites Betätigungsfeld.

Es ist empfehlenswert, eventuell schultypendifferenzierte Klassenstufenblöcke (z. B. 3-4, 5/6, 7-10, 11-13) zu beachten, um auch die fächerübergreifende Könnensentwicklung der Schüler in der Kartennutzung zu forcieren.

Literatur

BREETZ, E.: Fächerübergreifende Ausbildung der Schüler/innen in Kartenverständnis und Kartennutzung (Sachkunde – Geographie – Geschichte) In: Kartographische Schriften, Bd. 8 (Bonn 2003), S. 9-15.

HÜTTERMANN, A.: Kartenlesen - (k)eine Kunst.  = Didaktik der Geographie. München 1998.  ISBN 3-486-88036-5.

MAYER, F.: Schulkartographie heute – Entwicklungsstand und Zukunftsaspekte. In: Wiener Schriften zur Geographie und Kartographie, Bd. 5 „Schulkartographie – Wiener Symposium 1990“ (Wien 1992), S. 7-36.

 

Abbildung: Cover des "ATLAS für die Orientierungsstufe (Geschichte und Erdkunde)". Cornelsen u. Schroedel, Berlin 1990 - Ausgabe 1991.