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Gestaltungshinweise für ausgewählte Elemente auf allgemein-geografischen Karten

Karte Afrika PhysischDie allgemein-geografischen („physischen“) Karten sind für den Schulunterricht die topografischen Grundkarten. Ihre Gestaltung ist daher besonders sorgfältig vorzunehmen, in Abhängigkeit von ihren speziellen Nutzergruppen und Zielfunktionen. Für die Darstellung des Reliefs haben wir an anderer Stelle (sh. Menü „Reliefdarstellung“) detaillierte Hinweise bzw. theoretisch und empirisch gewonnene Erkenntnisse aufgezeigt; in dieser Studie mögen einige andere inhaltliche Elemente etwas näher betrachtet werden. Es sind Auszüge aus dem Beitrag „Gestaltungshinweise für die Elemente Gewässer, politisch-administrative Grenzen, Siedlungen und Verkehrswege auf allgemein-geographischen Schulkarten“ in der Wiss. Zeitschr. der PH Potsdam, H. 3/1986, S. 426-436. Auf die Wiedergabe von zahlreichen beispielhaften Bezugnahmen auf damalige schulkartografische Unterrichtsmittel wurde verzichtet.

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1. Gewässer

Die Gewässer bilden wie das Relief eine auffallende Landschaftskomponente. Mit der Küstenlinie sind die fließenden Gewässer und die größeren Seen gleichzeitig bedeutende Orientierungsmarken in der Landschaft und somit auch für die Schüler aller Klassenstufen grundlegende räumliche Orientierungshilfen auf der allgemein-geografischen Karte.

Kreise Lobenstein und SchleizInsbesondere die Flüsse dienen für die topographische Arbeit im Unterricht häufig als sehr wichtiges, optisch schnell erfaßbares raum- und lageorientierendes Bezugselement, was besonders durch die tiefblaue Färbung und eine betonte, maßstäblich übertriebene Strichstärke der Flüsse (auf Wandkarten noch mehr als auf Hand- und Atlaskarten) erreicht wird. Unterstützt wird die Wirksamkeit dieser Funktion durch eine bewußte Lichtung des Flußnetzes in bezug auf Quell- und Nebenflüsse.

Bezüglich der Strichstärkengestaltung ist zunächst grundsätzlich eine zunehmende, optisch deutlich wahrnehmbare Verbreiterung in Fließrichtung zu beobachten. Wenn dies von Natur aus oder aus technischen Gründen nicht gegeben ist, werden blaue Richtungspfeile eingezeichnet. [...]

Allerdings müßte mitunter noch eine bessere optische Abstufung zwischen den Kategorien der fließenden Gewässer (Strom, Fluß/Hauptfluß, Nebenfluß, Bach, Schiffahrtskanal, Meliorationskanal) angestrebt werden, damit die Schüler sofort „auf den ersten Blick“ die wesentlichsten, bedeutendsten Gewässer erkennen und auch deutlich eine Differenzierung des Gewässernetzes wahrnehmen können. Dann wird auch – besonders durch die Langzeitwirkung der Wandkarten – der lehrplandeterminierte topographische Merkstoff zum Gewässernetz (das lineare Grundgerüst des Kartenbildes) leichter und nachhaltiger eingeprägt.
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(S. 427)

Wesentliches muß vom Unwesentlichen bzw. Untergeordneten für den Schüler optisch deutlich abgehoben werden !
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Bei der für Schulkarten stets erforderlichen Lichtung des Flußnetzes sollten typische Erscheinungsformen (z.B. Quellfächer, Labyrinthsystem oder Deltamündung) bzw. die relative Flußdichte andeutungsweise gewahrt bleiben. Die relative Vollständigkeit der Abbildung ist jedoch nicht nur vom Maßstab und von den Grenzmaßen der Generalisierung, sondern vor allem von der speziellen Zielgruppe und dem speziellen Verwendungszweck der Karte und auch vom Landschaftscharakter der Realität abhängig.

Die Seen und die künstlichen Wasserbecken werden auf maßstäblicher Bezugsebene entsprechend ihrer Größe und Bedeutung ausgewählt und in hell- bzw. mittelblauen Farbtönen dargestellt. In Karten mit bläulich gehaltenen Gletscherabbildungen sollte jedoch in Zukunft eine kontrastreichere Farbabstimmung erfolgen, da vom Schüler die Konturlinie eines Gebirgssees selten als wesentliches Unterscheidungsmerkmal wahrgenommen und erkannt wird.
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(S. 428)

2. Politisch-administrative Grenzen

Die administrativen und staatlichen Grenzen sind für alle Regionalbehandlungen im Heimatkundeunterricht der Klassen 3 und 4 (Kreis, Bezirk, Republik) und im Geographieunterricht der Klassen 5 bis 8 und 10 ein wesentliches stoffliches Strukturelement, da diese stets die Lagebestimmung, das Erfassen der Umrißform sowie die (relative oder absolute) Größenbestimmung der zu erarbeitenden Territorien unterschiedlicher politisch-administrativer Einheiten (z.B. Bezirk, Staat, Staatengruppe, Ländergruppe) einschließen. Die Grenzen müssen sich daher in der farbigen Gestaltung deutlich vom hypsometrischen Flächenkolorit abheben und müssen für die Schüler in der Karte optisch klar zu differenzieren sein (durch abgestufte Strichstärken und ggf. auch Rasterbänder).
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Die Kombinierung der staatlichen Grenzlinien mit Rasterbändern – im Falle innerstaatlicher Untergliederungen – erhöht selbstverständlich etwas die Wahrnehmbarkeit bzw. auf Wandkarten die Fernwirkung. [...] Andererseits muß beachtet werden, daß die Grenzbänder in der allgemein-geographischen Karte nicht zu aufdringlich wirken und außerdem nicht den übrigen Inhalt erdrücken. [...]
(S. 429)

Ferner ist auf den Karten, die noch ein weiteres lineares Element (z.B. Verkehrswege) im rötlichen, orangenen oder violetten Farbton als konventionelle Leitfarbe enthalten, eine für die Schüler wahrnehmbare Farbdifferenz zu berücksichtigen, insbesondere bei ausschließlicher Existenz von rasterbandfreien Grenzlinien.
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EWK Kreis Belzig3. Siedlungen

Die Siedlungen sind auf der allgemein-geographischen Karte das dominierende ökonomisch-geographische Element. Das Siedlungsnetz dient auf dieser Karte dem Schüler nicht nur als wichtige topographische Bezugsgrundlage zur Einordnung gesellschaftlicher Objekte und Prozesse, sondern auch zur Überblickserfassung der Bevölkerungsverteilung und -dichte. [...]

Da Größe und Dichte der gestuften Signaturen und Namen für die Siedlungen weitgehend den Grad des „Schwarzschleiers“ und damit die Lesbarkeit und Überschaubarkeit der Karte bestimmen, sind besonders ihre Auswahl, Klassifizierung (Schwellenwertbildung) und Kodierung vorrangig nicht durch den Maßstab, sondern durch die Zweckbestimmung der Karte bedingt.

Wenn auch in Schulatlanten zum Zwecke des regionalen Vergleichs möglichst einheitliche Klassifizierungen und Signierungen für jeweilige Maßstabsgruppen (häufig analog den Kartengattungen) angewandt werden müssen, erfolgt in der bisherigen Praxis doch für die unterste Ortsgrößenklasse (meistens gekennzeichnet durch die Angabe „weniger als...“) keine vollständige Wiedergabe, sondern eine Auswahl der Orte nach ihrer (politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen) Bedeutung, um das Kartenbild überschaubar zu halten. Das „Auswahlprinzip“ wird mit fortschreitender Maßstabsreduktion (z.B. Länderkarte – Kontinentkarte – Erdkarte) zwangsläufig auch auf weitere Ortsgrößenklassen übertragen, so daß dem Schüler, dem die Auswahlkriterien unbekannt sind, kein reales Bild von der Siedlungsverteilung vermittelt wird. [...]
(S. 430)

Für die Signaturengestaltung der Siedlungen auf allgemein-geographischen Karten sollten im Ergebnis unserer jüngsten schulpraktischen Untersuchungen folgende Grundsätze beachtet werden:

  • Entsprechen die Umrisse (vereinfachten Grundrisse) von Orten einer Größengruppe im Maßstab der Karte einer größeren Fläche als die standardisierten geometrischen Signaturen (z.B. Quadrat, Kreis, Doppelkreis), sollte die rotfarbig ausgefüllte Umrißdarstellung angewandt werden.

Dadurch werden die jeweils obersten Größenklassen optisch herausgehoben und auch Ballungsgebiete der Bevölkerung deutlicher erkannt.
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  • Der Umrißsignatur muß für die nächstkleinere Objektwerteinheit eine rot ausgefüllte Quadrat- oder Kreissignatur folgen.

Aufgrund der Signalfunktion der roten Farbe und ihrer visuell leichten Auffaßbarkeit im graphischen Gefüge des Kartenbildes wird somit auch diese Größengruppe vom Schüler sowohl auf der Atlaskarte als auch auf der fernwirkend bestimmten Wandkarte eindeutig und schnell erfaßt. Gleichzeitig wird damit das Siedlungsbild des Territoriums transparenter gestaltet. [...]
(S. 431)

Bei der Überarbeitung aller für den Schulunterricht verbindlichen allgemein-geographischen Wandkartentitel der mittleren Maßstabsgruppen sollte die bisher übliche Doppelkreissignatur durch eine rot ausgefüllte Kreissignatur ersetzt werden.
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  • Für die mittlere und untere Ortsklassengrößenklassifizierung werden größengestufte schwarze Kreissignaturen in der Folge Kreis mit gefülltem Zentrum – Kreis mit Zentralpunkt – offener Kreis verwendet.

Schulpraktische Untersuchungen haben erwiesen, daß die in den neuen Wandkarten „Deutsche Demokratische Republik“ und „Bundesrepublik Deutschland“ verwendeten Kreissignaturen mit schwarz gefülltem Zentrum (Durchmesser 8,0 / 4,0 mm bzw.10,0 / 5,0 mm) eine wesentlich höhere (fast doppelte) Fernwirkung als gleichgroße Doppelkreissignaturen aufweisen. [...]
(S. 432)

  • Kreis GörlitzDie Gestaltung der Siedlungsnamen steht in Relation zur repräsentierten Ortsgrößenklasse.

Dieser Grundsatz wird auf den vorliegenden Hand-, Atlas- und Wandkarten unter vorrangiger Beanspruchung der optisch leicht und schnell erfaßbaren Groteskschrift im schwarzen Ton beachtet. [...]

Die Signaturfunktion der Siedlungsnamen als Pendant zur Werteinheit der Objektsignatur sollte für die Schüler auch grundsätzlich in der Legende ausgewiesen sein, um ihnen das Auffinden und eine genaue Wertbestimmung der Orte zu erleichtern, zumal das Aufsuchen eines Ortes im Kartenbild vornehmlich über den Ortsnamen erfolgt und die Schüler sonst nur die relativen Größenverhältnisse erfassen (je kleiner und unauffälliger die Schrift, desto kleiner und unbedeutender der Ort). [...]

Bei der Gestaltung der Schulwandkarten ist besonders zu beachten, daß für die Namen der oberen zwei bis drei Größengruppen in angemessener Proportion zum Kartenmaßstab eine bestmögliche Fernwirkung anzustreben ist. So wurden beispielsweise auf der Wandkarte „Deutsche Demokratische Republik“ 1:350.000 für die oberen drei Größengruppen die Schrifthöhen 13, 12 und 10 mm der aufrechten, halbfetten Versalien gewählt, so daß die Namen – wie wahrnehmungsphysiologische Untersuchungen ergaben – bis zu einer Entfernung von 7 bis 8 m deutlich lesbar sind.
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(S. 433)

  • Die Beschriftung ist auch als qualitatives Ausdrucksmittel zur Kennzeichnung der Siedlungen zu nutzen.

In größeren Maßstäben der Schulkarten dient die Schrift auch zur Kennzeichnung von qualitativen Merkmalen der Siedlungen. Ferner wird auf Hand-, Atlas- und Wandkarten durch Unterstreichungen (schwarze Doppel-, Einzel- oder gerissene Linien) als Zusatzsignaturen der Siedlungsnamen die funktionale Bedeutung ausgewählter Ortskategorien (z.B. Hauptstadt, Bezirksstadt oder Kreisstadt) in Abhängigkeit von der Maßstabsgruppe sichtbar gemacht, womit gleichzeitig die Siedlungsnamen für den Betrachter hervorgehoben werden.
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4. Verkehrswege (Schienenwege und Straßen)

Die künstlichen Verkehrswege als unmittelbares funktionales Bezugselement zu den Siedlungen werden in maßtabsbedingter Auswahl dargestellt, wobei für die Bahnlinien schwarze und für Straßen rote Linearsignaturen verwendet werden.

Die didaktisch-methodische Funktion der Bahnlinien in mittleren und kleineren Maßstabsgruppen (Ländergruppen und Kontinente) ist umstritten, zumal sie bei großer Netzdichte als „lineares Gewirr“ das Kartenbild stark belasten können. Sie sind mehr ein traditionelles und graphische Unruhe bewirkendes Ornament als ein gezielt beanspruchtes Inhaltselement und werden sporadisch im Unterricht vor allem in ihrer syntaktischen Wirkung als ein Ausdruck für die verkehrsmäßige Erschließung eines Territoriums genutzt.

In größeren Maßstäben (z.B. Kreiskarten und Bezirkskarten) sollten alle Hauptbahnlinien und bedeutende Nebenbahnlinien ausgewiesen werden.

Das Straßennetz mit rötlichen Linearsignaturen möge mit abnehmender Differenzierung nur in größeren Maßstabsgruppen enthalten sein. Dies bezieht sich vor allem auf Autobahnen und Fernverkehrsstraßen; wichtige „Andere Straßen“ werden nur aufgenommen, wenn beispielsweise eine Kreisstadt nicht an das Bahnnetz oder eine Fenverkehrsstraße angeschlossen ist.

Mittlere und kleine Maßstäbe der allgemein-geographischen Schulkarten sollten aus Gründen der Überschaubarkeit kein künstliches Verkehrsnetz (Schienenwege und Straßen) mehr ausweisen; hierfür mögen entsprechende thematische Karten genutzt werden. [...]
(S. 434/435)

 

1. Abbildung: Kartenseite aus dem KombiAtlas "ALEXANDER - Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde, Wirtschaft", S. 76 "Afrika - Höhenschichten". Klett - Perthes Gotha u. Stuttgart, 2003 - 1. Auflage.

2. Abbildung: Ausschnitt aus der Schülerhandkarte "Kreise Lobenstein und Schleiz" (1:100 000). VEB H. Haack, Gotha 1982. (PTA: E.Breetz).

3. Abbildung: Schulwandkarte (EWK) "Kreis Belzig" (1:50 000). VEB H.Haack, Gotha 1985. (PTA & Fachberatung: E.Breetz).

4. Abbildung: Schülerhandkarte "Stadt-und Landkreis Görlitz" (1:100 000). VEB H. Haack, Gotha 1984. (PTA: E.Breetz).

 

 

Vgl. auch:  Allgemein-geografische Karte, Kreiskartenwerk