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Gothaer Grußadresse 2010

Ausschnitt Karte Kreis GothaZum Jubiläum der Kommission „Schule und Kartographie“ der DGfK gratuliere ich recht herzlich. Mögen die nächsten 50 Jahre des Gremiums ideen- und erfolgreich sein zum Nutzen unserer Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Schultypen im wieder vereinigten Deutschland. Allen Kommissionsmitgliedern wünsche ich Gesundheit und Schaffenskraft.

Leider kann ich aus familiären Gründen an der Festsitzung nicht persönlich teilnehmen, so dass sich die Mitglieder der Kommission mit meinen Literaturhinweisen und mit meinen folgenden Vortragsgedanken begnügen mögen.

In Ostdeutschland gab es 1945-1990 keine Gesellschaft für Kartographie i.e.S.. Die Schulkartographie war der Volksbildung und dem Fachverband der Schulgeographen in der Geographischen Gesellschaft der DDR angelagert. Das bedeutendste schulkartographische Projekt der DDR war das unter maßgeblichem Anteil von zwei heutigen Kommissionsmitgliedern entwickelte und 178 Titel umfassende Kreishand- und -wandkartenwerk, dessen Titel zum Teil heute noch (nach einem Vierteljahrhundert) öffentliche „Fremd-Urständ“ feiern (z.B. in Touristeneinrichtungen, in Hotels oder in Freizeitstätten).

Zentren der geografisch orientierten Schulkartographie, der ich mich besonders verbunden fühle, waren das traditionelle Gotha mit dem VEB Hermann Haack und die Pädagogische Hochschule Potsdam mit dem Lehrbereich Geographie-Methodik.  Die Schulgeschichtskartographie (treffender wohl: Geschichtsschulkartographie) war nicht so vielseitig. Ihr Domizil für schulkartographische Entwicklungen war vor allem der Lehrbereich Geschichts-Methodik (H.-J. Fiala) der Universität Rostock in Kooperation mit dem VEB H. Haack (W. Stegner).

Nach dem Haefke/Heyde-Weltatlas für die Schule („Atlas zur Erd-und Länderkunde“) 1949/1951 und nach ersten Arbeiten vom Gotha-Berliner Kartographen W. Heidenreuter und vom Leipzig-Berliner Geographen W. Krämer in den 50er und 60er Jahren hatten 2 Mitglieder der heutigen Kommission „Schule und Kartographie“ (Kartograph W. Görtler und Geographie-Didaktiker E. Breetz) ihren „zweiten Stuhl“ in Berlin (IfU der APW oder MfV). Sie bestimmten während der 70er und 80er Jahre in den Grenzen des Erlaubten und unter den gegebenen Bedingungen durch Konzeptionen und Insidervorschläge weitgehend das zentrale Profil der Geographischen Schulkartographie (Heimatkundeunterricht und Geographieunterricht).

Im Potsdamer Arbeitskreis begann in Kooperation mit dem KD Potsdam die Entwicklung kartographischer Unterrichtsmittel in den 60er Jahren mit plastischen Karten, Anaglyphenkarten (beide Formen: 3D-Karten) und mit Regionalkarten für die Schulen des Bezirkes Potsdam (Schülerhandkarten und Einblatt-Wandkarte). In den 70er und 80er Jahren erfolgte neben der konzeptionellen und fachberatenden Arbeit an Schülerhandkarten, Schulatlanten und Schulwandkarten auch die Mitarbeit an mehreren Sendungen des Schulfernsehens zur Kartennutzung.

Ab etwa 1970 war der VEB Hermann Haack Alleinhersteller (Redaktion, Kartographie, Druck) von schulkartographischen Erzeugnissen für die gesamte Republik. Arbeitskontakte bestanden zu Kooperationsbetrieben und institutionellen Einrichtungen.

Die Potsdamer schulkartographische Forschungsstätte, die u.a. 1 einschlägige Dissertation und 2 entsprechende Habilitationen hervorbrachte, war in den 80er Jahren offiziell mit dem Institut für Kartographie der TU Dresden im Kontakt. Auf dem IV. Geographenkongreß der DDR in Gotha (August 1985) wurden im Hauptreferat des Fachverbandes der Schulgeographen die wissenschaftsdisziplinäre Position, die Struktur und die Funktionen der Geographischen Schulkartographie definiert. Die Potsdamer Wirkungsstätte war auch durch ein Plenarreferat zu Entwicklungstendenzen der Geographischen Schulkartographie auf der 1. Kartographischen Konferenz der Wissenschaftlich-Technischen Gesellschaft für Geodäsie, Photogrammetrie und Kartographie 1987 in Güstrow präsent.

Daraus ist schon ersichtlich, gestützt auch durch die ca. 130 Textpublikationen zur Gestaltung und zur Nutzung von Karten für die Schule, dass die Schulkartographie in der DDR einen relativ hohen Stellenwert in der Schuldidaktik und in der Kartographie besaß.

Vielseitig war auch – abgesehen von der Güstrower Tagung – die Vortragstätigkeit zu Fragen der Schulkartographie. So wurden beispielsweise auf 3 Tagungen des Fachverbandes der Schulgeographen Referate zu schulkartographischen Fragen gehalten. Im Ausland (Budapest, Prag, Minsk) wurde unsere Schulkartographie durch Vorträge repräsentiert. Ein Schwerpunkt der schulkartographischen Öffentlichkeitsarbeit waren Veranstaltungen zur Weiterbildung der Unterstufen- und Geographielehrer (1963-1989) in fast allen Regionen des Landes. Auch für Fortbildungsveranstaltungen der Fachberater/innen des Heimatkundeunterrichts im Zentralinstitut für Weiterbildung (ZIW) in Ludwigsfelde war der Referent regelmäßig tätig.

Einen markanten Abschluss der schulkartographischen Aktivitäten Ostdeutschlands bzw. der DDR bildete ein persönliches Plenarreferat auf dem internationalen Symposium der Schulkartographie in Wien am 24.9.1990.

Potsdam/Gotha, April 2010
Egon Breetz

 

Vertiefende und weiterführende Literatur zum Vortrag: „Schulkartografische Aktivitäten in Ostdeutschland 1945-1990“ (Gotha – Festsitzung im April 2010)

BARTH, L.: Bild und Karte im Erdkundeunterricht. Berlin 1963.

BREETZ, E.: Zur Entwicklung der Schulkartographie in der Deutschen Demokratischen Republik. In: Wiss. Zeitschr. d. PH Potsdam, H. 3/1982, S. 357-375.

BREETZ, E.: Gestaltung und Nutzung geographischer Karten als gleichrangige Hauptglieder der schulkartographischen Kommunikationskette. Potsdamer Forschungen, Reihe C, Heft 64, Potsdam 1986.

BREETZ, E.: Entwicklung der geographischen Schulkartographie in der Deutschen Demokratischen Republik. In: Zeitschr. f. d. Erdkundeunterricht, H. 10/1989, S. 350-368.

BREETZ, E. /LANGER, H.: Kartographische Verlagserzeugnisse aus Gotha für den Geographie- und Heimatkundeunterricht. In: Geogr. Berichte, H. 2/1985, S. 123-131.

FIALA, H.-J.: Die Karte im Geschichtsunterricht. Berlin 1967.

GÖRTLER, W.: Kartographische Unterrichtsmittel aus Gotha für den Heimatkundeunterricht. In: Kartographische Schriften, Bd. 8 (2003), S. 118-126.

HERBACZOWSKY, R.: Die Potenzen der Geschichtskarte im Unterricht ausschöpfen. In: Geschichte und Staatsbürgerkunde, H. 8/1981, S. 741-749.

HEYDE, H.: Ein neuer Atlas zur Erd- und Länderkunde. In: Peterm. Geogr. Mitteilungen, H. 2/1949, S. 75-78.

KRÄMER, W. /GÖRTLER, W.: Zur neuen Ausgabe des „Atlas der Erdkunde“. In: Zeitschr. f. d. Erdkundeunterricht, H. 8/9/1966, S. 352-356.

OGRISSEK, R.: Aufgaben der Schulkartographie.... In: Ogrissek, R. (Verf.): Theoretische Kartographie – Studienbücherei Kartographie, Bd. 1, S. 265-270. Gotha 1987.

SPERLING, W.: Geographie und Geographieunterricht in der DDR. München 1977. (Vor allem die Kapitel 6.2.3 „Das Prinzip der Kartenarbeit im Heimatkunde- und Geographieunterricht“, 7.2.2 „Die Schulatlanten“, 7.2.4 „Wandkarten, Handkarten, Reliefkarten“, 7.6.2 „Die Potsdamer Unterrichtsmittelforschungen“ und 8.3.4 „Der Fachverband der Schulgeographen“).

 

Abbildung: Ausschnitt aus der SCHÜLERHANDKARTE  "Kreis Gotha". VEB Hermann Haack, Geographisch-Kartographische Anstalt Gotha. Gotha 1983. (Konzeptionelle Mitarbeit: E.Breetz).

 

Siehe auch online:

DDR-Schulkartografie
Schulkartografie
Geografische Schulkartografie
Kartenarbeit
Kreiskartenwerk
Schülerhandkarte


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