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Märkische Luche – kultivierte Sumpf- und Flachmoorgebiete

Märkische LucheDer Begriff „Luch“ bezeichnete ursprünglich eine ausgedehnte Flachmoorlandschaft – mitunter von Erlenbrüchen, Seggengräsern bzw. Schilfpartien eingenommen – in Nordostdeutschland.  Die typischen und meisten Luche gibt es in der Mark Brandenburg. Die märkischen Luche befinden sich als entwässerte Flachmoorbildungen in den Urstromtälern sowie in deren Querverbindungen, also in der mittleren Großlandschaft Brandenburgs. So ist das Rhinluch (Alter Rhin – Unterhavel) mit seiner östlichen Ausbuchtung, dem Kremmener Luch (Linumhorst – Hohenbruch), größtenteils im Thorn – Eberswalder Urstromtal gelegen, während das Havelländische Luch (Berlin – Unterhavel) seine Lage im Warschau-Berliner Urstromtal und im unteren Teil des Glogau-Baruther Urstromtales hat.

Auch Brüche sind ebenfalls Feuchtgebiete in Niederungen, aber ohne Torfbildungen an der Oberfläche. Sie sind wald- oder buschbestandenes Sumpfgelände mit offenen, stehenden Wasserflächen (flurnahes Grundwasser und ggf. Niederschlagswasser bzw. Überflutungswasser) und bilden mitunter lokale Elemente der Luche. Moor ist eine aus abgestorbenen Pflanzenresten hervorgegangene Bodenart. (In der Umgangsssprache werden die Begriffe Sumpf, Bruch und Moor oftmals synonym gebraucht.) Während das Niederungsmoor (Flachmoor) von kalk- und nährstoffreichem Grundwasser gespeist wird, ist ein Hochmoor – nicht benannt nach der Höhenlage – von Torfmoosen bewachsen sowie oberflächlich uhrglasförmig aufgewölbt und bildet sauren und nährstoffarmen Boden in Gebieten mit reichlichen Niederschlägen. Beide Moore sind durch Verlandung von flachen Wasserflächen entstanden.

Havelländisches Luch und Rhinluch nehmen insgesamt eine Fläche von ca. 55.000 Hektar ein. Beide Luche bilden den Kern des Havelllandes, der Region zwischen Mittellauf und Unterlauf der Havel  (Oranienburg – Bln.-Spandau – Potsdam – Brandenburg – Havelberg).

In diesen und außerhalb dieser beiden größten Luchlandschaften Brandenburgs werden lokale Luchregionen ausgewiesen, beispielsweise Neukammer Luch, Wustrauer Luch, Nauener Luch, Golmer Luch, Märkisch Luch oder Rotes Luch. Weitere Niederungsgebiete der Mark ähneln im Habitus den namentlich ausgewiesenen Luchen, so zum Beispiel der Naturpark Nuthe – Nieplitz, die Notte-Niederung in der Region Zossen, das Sumpfgebiet östlich der Stadt Brandenburg a.d.H. oder die Belziger Landschaftswiesen sowie die Flemmingwiesen bei Baruth.

Wildgänse, Wildenten und Kraniche sind in den Luchgebieten verbreitet; an zahlreichen Stellen befinden sich Sammel-, Ruhe- und/oder Rastplätze dieser Zugvögel.

Von der Natur- zur Kulturlandschaft

HavellandDas begriffliche Dreigespann  „Besiedlung, Sumpf und Sand“  bestimmte jahrhundertelang den Lebens- und Arbeitsrhythmus der märkischen Luchbewohner. Schon die Slawen siedelten sich als Fischer auf den etwas höher gelegenen Talsandinseln bzw. auf Flugsandbildungen/Dünen (Horsten) und am Rande der Moränenländchen des sumpfigen Niederungsgebietes an.

Die meist von Erlenbrüchen durchsetzten Niederungen waren häufig im Frühjahr und/oder im Frühsommer überschwemmt, gefördert durch Rückstau vom Hochwasser der Elbe und der Havel. Endmoränen, Sander und sandige Grundmoränen auf den Hochflächen sowie höhere, grundwasserferne Talsandgebiete in den Niederungen waren von anspruchslosen Bäumen (z. B. Kiefern und Birken) besiedelt und werden noch heute (2012) oftmals von Heiden bzw. Wäldern eingenommen („Märkische Heide...“).

Nur sporadische und kleinräumige Maßnahmen zur Trockenlegung schufen – besonders im heutigen Rhinluch – etwas Abhilfe. Weideviehhaltung, Torfabbau und Fischfang wurden zu dominanten Wirtschaftsformen. Erst preußische Könige ließen das riesige Sumpfareal des Havellandes, das große Teile des heutigen Havelländischen Luches und des Rhinluches umfasst, planmäßig und großräumig kultivieren (Baum- und Buschrodung, Anlegen von Wasserabzugsgräben mit Wehren, Kanalisierungen, Anlegen und Erhöhung von Deichen, Siedlungsneugründungen und -erweiterungen etc.) Dazu holten sie besonders im Wasserbau geübte Holländer – aber auch Siedler aus anderen nichtpreußischen Gebieten – in das dünn besiedelte Havelland, in die Landschaft des „Havel-U“. Neben der vorherrschenden Wiesen- und Weidewirtschaft wurden immer mehr Flächen für den Ackerbau gewonnen.

Der „Soldatenkönig“ (Friedrich Wilhelm I.) ließ um 1720 vordringlich das Moorgebiet des späteren östlichen Havelländischen Luches (Königshorst, Kuhhorst, Berger Damm u.a.) als Fleisch-, Milch- und Butterquelle vor allem für den königlichen Hof und für die Bevölkerung Berlins und des Potsdamer Raumes erschließen. Ackerbau (vor allem Roggen und Futterrüben) wurde vorrangig auf den sandigen Inseln, auf den anmoorigen Böden der Niederungsränder und auf den lehmhaltigen Moränenplatten betrieben.

Sein Sohn (Friedrich II.) setzte im Gebiet des späteren Oberen Rhinluches die Ideen und Aktivitäten des Vaters fort und um (Zietenhorst, Linumhorst, Moorhof usw.). Das heutige Storchendorf Linum  wurde zum Mittelpunkt der Torfgräberei im Oberen Rhinluch. Des „Alten Fritz“ besonderes Interesse galt aber wohl der feuchten, versumpften Region  des heutigen Unteren Rhinluches, wo er umfangreiche Meliorationsarbeiten durchführen sowie Siedlungsneugründungen und -erweiterungen als „Kolonistendörfer“ (beispielsweise Bartschendorf, Derschau, Friedrichsbruch, Giesenhorst, Michaelisbruch oder Roddahn) vornehmen ließ.

Als erfolgreiche Unkrautvernichter umgebrochenen Moorbodens erwiesen sich später die Faserpflanzen Hanf und Flachs, die z. B. in den Städten Fehrbellin und Rhinow industriell weiterverarbeitet wurden.

Weiträumige Meliorationsmaßnahmen wurden in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts (geplanter Ausbau des Havelländischen Luches und des Rhinluches zur „Milchader Berlins“) ergriffen und Großviehanlagen, Geflügelzüchtereien sowie Verarbeitungsbetriebe, Forschungsinstitute und Wohnsiedlungen für die Beschäftigten und  ihre Familien geschaffen. Dennoch ist heutzutage (2012) - auch trotz neuerer Dränage-Arbeiten - zeitweilig eine partielle Überschwemmung nicht völlig auszuschließen (z.B. Frühjahrsüberschwemmungen bzw. -Drängewasserflächen oder oberflächlich stagnierendes Niederschlagswasser), vor allem beiderseits der Unterläufe von Havel und Rhin.

Insbesondere im Oberen Rhinluch führten zu starke Entwässerungen häufig jedoch in den Sommermonaten zur Austrocknung, „Verpuffung“ (Vermullung = Verlust der Krümelstruktur) und Verwehung umgebrochenen bzw. bearbeiteten Moorbodens, so dass schon seit Jahrzehnten Baumreihen schnellwüchsiger Pappeln, Weiden oder Erlen als „Windschutz“ (Windschutzstreifen) angelegt wurden.

Die Luchgebiete sind auch während des Frühjahres und des Herbstes in Strahlungsnächten (wolkenloser Himmel, Windstille) besonders frostgefährdet - "Kaltluftseen".

 

Kreis NauenHavelländisches  Luch

Das mit ca. 30.000 ha größte Luch im Bundesland Brandenburg und wohl auch in Deutschland ist das Havelländische Luch, das in seiner östlichen Region zwischen den Moränenplatten (Plateaus, Hochflächen) Bellin – Glien einerseits und der Nauener Platte sowie der Dallgow – Döberitzer Platte andererseits seine klassische Ausprägung als geschlossene, meliorierte, fast „tischebene“ glazigene Niederungslandschaft (um 30 m ü.NN) erhalten hat. Die heute (2012) meist asphaltierten Straßen (vorwiegend Dammstraßen mit Baumalleen) verlaufen oftmals – wie die zahlreichen Meliorationsgräben und -kanäle – kilometerweit geradlinig durch das östliche Havelländische Luchland, als dessen Hauptort sich die Stadt Nauen entwickelte.

In der Niederung des mittleren Haveltales, also am Rande des östlichen Havelländischen Luches, liegen die größeren Städte Oranienburg, Velten und Hennigsdorf sowie der Berliner Stadtbezirk Spandau (Zusammenfluß von Havel und Spree). Diese Örtlichkeiten mögen erwähnt, aber nicht näher erläutert werden. Besonders erwähnt werden möge aber die Stadt Falkensee, die aus den beiden direkt im flachen Havellländischen Luch gelegenen Orten Falkenhagen und Seegefeld sowie aus später eingemeindeten Nachbarsiedlungen hervorgegangen ist und sich als Berliner Vorort (weiträumige Streusiedlung) entwickelt hat.

Havelländisches Luch, westlicher TeilDer westliche Teil des Havelländischen Luches (um 25 m ü.NN) zwischen unterer Havel (Brandenburg – Rathenow)  und Nauener Region ist von mehreren Moränenplatten und Sandinseln durchsetzt (z. B. Nennhausener Ländchen, Gr. Berg – 82 m ü.NN, Barnewitzer Heide). Dieser relativ seenreiche Teil des Havelländischen Luches südlich der Ländchen Rhinow und Friesack war jahrzehntelang durch Rückstau von Elbe und Havel sowie durch Hochwasser der Zuflüsse besonders gefährdet. Die Niederungen sind heute noch verhältnismäßig sumpfig und im Frühjahr zeitweilig von offenen Wasserflächen bedeckt - z.B. bei den Orten Premnitz und Pritzerbe (beispielsweise nach den feuchten Wintern 2010/11 und 2011/12).

Als Städte des westlichen Havelländischen Luches und gleichzeitig als unmittelbare Havelstädte mögen außer Brandenburg a.d.H. („Wiege der Mark“) und Rathenow die Landeshauptstadt Potsdam, Werder/H., Ketzin und Premnitz genannt werden.  Der größte Teil des "Elbe-Havel-Winkel" (westlicher Ausläufer des Havellandes)  wird von den Kreisen "Jerichower Land" und "Stendal" (Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt) eingenommen.

Bedeutende Sammelader zur Entwässerung zahlreicher Meliorationsgräben und zur Regulierung des Grundwasserstandes im Umland (Wiesen und Feldflur) ist der 55 Kilometer lange Havelländische Große Hauptkanal, der das größte Luch von Ost nach West durchzieht (Brieselang – Hohennauen). Ähnliche Funktionen erfüllt für das östliche Havelländische Luch und für den mittleren Teil des Rhinluches der Kleine Haupt- und Grenzkanal, der bei dem Ort Dreetz in den Rhinkanal mündet.

Im südlichen Teil des Havellandes geht das Havelländische Luch fast nahtlos in die Naturraumeinheit "Brandenburg-Potsdamer Havelgebiet" (Brandenburg a.d.H. - Lehniner Niederungsbucht - Werder/H. - Potsdam - Marquardt - Ketzin - Pritzerbe) über. In dieser seenreichen Havelregion dominieren ebene Niederungen (Flachmoorbildungen) um ca. 30 m ü.NN, durchsetzt von Moräneninseln und von Dünenbildungen. Die höchste Erhebung des morphologischen Formenmosaiks dieses Havelgebietes ist mit 109 m ü.NN der Götzer Berg (Grundmoräne mit aufgesetzter Endmoräne).

Diese Flachmoorbildungen an der mittleren Havel werden i. Allg. nicht als "Luche" bezeichnet (Ausnahme z.B. "Golmer Luch"),  zumal sie in historischer Zeit (etwa ab 13./14. Jahrhundert) durch Stadt-Brandenburger Mühlenstaue entstanden, so dass das Grundwasser bis zur Oberflächennähe stieg und stellenweise heute (2012) noch  kurzzeitig "über Flur" steht. Häufig tragen in dieser Havelregion die tiefgelegenen Feuchtgebiete die Landschaftsbezelchnung "Bruch" oder "Werder" (z.B. in und um Brandenburg-Stadt, Werder/H.-Inselstadtteil u. Umgebung). Zahlreiche Entwässerungsgräben durchziehen das heutige Niederungsgebiet zwischen Brandenburg und Potsdam.

Rhinluch

Das Rhinluch erstreckt sich mit ca. 25.000 ha im letzten Abschnitt des Thorn-Eberswalder Urstromtales. Namensgebend für dieses Niederungsgebiet ist der Fluß Rhin. Er entspringt in der Rheinsberg-Zechliner Seenplatte ; sein Mittel- und Unterlauf durchziehen den größten Teil des Luches und dienen besonders als Hauptentwässerungsader der meliorierten Flachmoorniederung.

Der namensbildende Rhin ist ein echter brandenburgischer Fluss, der nahe der nördlichen Bundeslandgrenze beginnt und im Westen des Bundeslandes in den flachen Gülper See mündet. Er hat eine Gesamtlänge von ca. 125 Kilometern.

Das Luch beiderseits dieses Flusslaufes wird durch die Moränen-Ländchen bzw. Platten Glien, Bellin, Friesack und Rhinow von dem größeren Havelländischen Luch abgegrenzt. Nur relativ schmale Verbindungen der beiden Großluche gibt es zwischen den Ländchen; zwischen den Plateauinseln von Bellin und Friesack ist jedoch eine deutliche Öffnung zum Warschau-Berliner Urstromtal.

Im allgemeinen wird das Rhinluch in ein oberes und in ein unteres Luchgebiet gegliedert (östlich bzw. westlich der Stadt Friesack). Hinsichtlich der generell südlichen Fließrichtung vom Nordbrandenburgischen Landrücken zum Eberswalder Urstromtal sind das Rhin-Tal und die Ruppiner Rinnenseenkette für das Obere Rhinluch das, was ähnlich für das Untere Rhinluch die Dosse-Niederung und die Kyritzer Seenkette repräsentieren.

Rhinluch, KartenausschnittDas Obere Rhinluch (ca. 30-35 m ü.NN) ist die Region zwischen Wustrau-Altfriesack, Manker (beide Ruppiner Platte/Nördl. Landrücken), Flatow, Linum (beide Ländchen Glien), Fehrbellin und Lentzke (beide Ländchen Bellin) mit östlicher Ausbuchtung durch das Kremmener Luch (Kremmener Rhin – Ruppiner Kanal), das in die Havelniederung bei Oranienburg übergeht. Die kleine „Ackerbürgerstadt“ Kremmen ist der Hauptort im gleichnamigen Auläufer des Oberen Rhinluches, während die Kleinstadt Fehrbellin (u.a. Fährfunktion in der schmalsten Luchregion) für das Obere Rhinluch i.e.S. der zentrale Ort wurde.

Nach Vermutung des Verfassers nahm einst der Rhin, der ja einen Großteil der Ruppiner Schweiz sowie den rinnenartigen, fast 14 km langen Ruppiner See heute durchfließt, im frühen Postglazial einen anderen Verlauf. Das mittlere Rhintal, das den oberen (östlichen) Teil des Rhinluches zuerst erreicht, verlief einst in der Zippelsförder Region nord-südlich weiter (Möllensee - Tholmannsee - Werbellinsee - Herzberg - Neukammer Luch - Wall) und mündete in das Thorn-Eberswalder Urstromtal (Oberes Rhinluch). Die breite Talung des postglazialen Rhins, des heutigen meliorierten Neukammer Luches, ist als eine nördliche Ausbuchtung des Oberen Rhinluches aufzufassen. (Das Gebiet des Neukammer Luches wurde wie der nördliche Teil des Rhintales von A. Sonntag - wohl aus technischen Gründen - als "Rhintal" bezeichnet - sh. Beiheft, S. 22 -).

Spätere dünenhafte Bildungen oder Ablagerungen von Schmelzwasserzuflüssen im Raum Wulkow - Schönberg sowie der Abfluss der Lindower Gewässer (insbesondere vom Gudelacksee und vom Möllensee = Lindower Rhin) bewirkten, dass der von der Rheinsberger Region kommende Rhin im heutigen Zippelsförder Raum hakenförmig (eine vorhandene Schmelzwasserniederung nutzend) einen nordwestlichen Verlauf in den Zermützelsee und damit in die Ruppiner Rinnenseenkette nahm. So wurde der Rhin zum Zu- und Abfluss der Rheinsberg-Zechliner Seenplatte und der Ruppiner Rinnenseenkette. (Vgl. auch "Schweizen der Mark").

Das Neukammer Luch entwässert heute (2012) vor allem in den Bützrhin und in den Kremmener Rhin. Beim namentlichen Übergang vom Bützrhin zum Kremmener Rhin zweigt schlängelnd luchwärts in Richtung der Stadt Fehrbellin der "Alte Rhin" ab.

Im Unterschied zum unteren (westlichen) Teil des Rhinluches wird das Obere Rhinluch vor allem von zusammenhängenden Flachmoorbildungen eingenommen, die auch eine relativ flächengroße Abtorfung im 19. Jahrhundert erfuhren, wodurch die landwirtschaftliche Nutzung stark zurückgedrängt wurde.

Das Übergangsgebiet zum Unteren Rhinluch markiert die Friesacker Zootzenlandschaft (Bruchlandschaft mit Laubmischwald), das Einmündungsgebiet des Warschau-Berliner Urstromtales.

Kreis Havelberg, Unteres RhinluchSo ist der Beginn des Unteren Rhinluches (ca. 25-30 m ü.NN) etwa beim Schnittpunkt der Straße B 5 und der Bahnstrecke Berlin – Hamburg mit dem Rhinkanal anzusetzen. Der auch im unteren Luch weitgehend kanalisierte Rhin durchfließt den Dreetzer See und mündet etwa 3 Kilometer westlich der Stadt Rhinow in den flachen Gülper See (NSG: Vogelbrutplatz und Zugvögelrast- und -sammelpunkt – Wildgänse, Wildenten und Kraniche), der eine unmittelbare Verbindung (Abfluß) zur Unterhavel besitzt. Über den Bültgraben kann der Rhin bei Bedarf auch noch zur unteren Dosse entwässern.

Den nordwestlichen Ausläufer des Unteren Rhinluches bildet etwa ab Neustadt/D. - Plänitz – Zernitz – Stüdenitz  die Untere Dosse-Jäglitz-Niederung. Die Jäglitz wird durch die Plänitzer Schleusengabel (nahe der Stadt Neustadt/Dosse) in 2 Bachläufe (Flussarme) geteilt. Der südliche Zweig "Alte Jäglitz" (z.B. Koppenbrück - Rübehorst) endet als rechter Nebenfluss der unteren Dosse; der nördliche Lauf  "Neue Jäglitz" (z.B. Stüdenitz - Voigtsbrügge) mündet vor der Stadt Havelberg direkt in die Havel.

Zahlreiche Talsandinseln bzw. Dünenerhebungen begünstigten die Anlage von Siedlungen sowie den Ackerbau, namentlich im Rahmen der „Kolonisierungen“ unter dem Preußenkönig Friedrich II. Dennoch steht auch heute (2012) noch mitunter im Frühjahr das Wasser "über Flur", so dass das Vieh erst relativ spät auf die Weide kommt und die Landwirte mit schwerem Arbeitsgerät erst im späten Frühjahr auf die nassen Äcker können (beispielsweise in der Gemeinde Großderschau oder bei Strodehne).

Das Untere Rhinluch mit der Unteren Dosse – Jäglitz – Niederung umfasst das nördliche Drittel des Naturparks „Westhavelland“, zu dem auch ein großer Teil des Havelländischen Luches gehört.

Zwischen dem Rhinower Ländchen und den Rehberg-Kamernschen Bergen (Sachsen-Anhalt) bzw. im Gebiet zwischen der Luchstadt Rhinow und der Prignitzstadt Havelberg vereinen sich Rhinluch und Havelländisches Luch (Einmündung in das Glogau-Baruther Urstromtal) und gehen dann in die schlickreiche Elbtalniederung über.

Literatur und Quellen

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1. Abbildung: Kartenausschnitt vom "HEIMATATLAS Brandenburg", S. 14/15 "Regionalkarte: Prignitz, Ruppiner Land, Havelland" (1:400.000). vwv Volk und Wissen Verlag GmbH & Co. OHG/Cornelsen Verlag, Berlin 2004 - 4. Auflage. (Atlaskonzeption: E.Breetz).

2. Abbildung: Kartenausschnitt von der Schülerhandkarte "BEZIRK POTSDAM - Oberflächengestalt" (1:500.000). Rat des Bezirkes Potsdam - Abteilung Volksbildung, Potsdam !970 - 2. Ausgabe. (Kartenautor: E.Breetz).

3. Abbildung: Schülerhandkarte "Kreis Nauen" (1:100.000). VEB H. Haack, Gotha 1982. (PTA: E.Breetz).

4. Abbildung: Ausschnitt von der Schülerhandkarte "Kreis Rathenow" (1:100.000). VEB H. Haack, Gotha 1984. (PTA: E.Breetz).

5. Abbildung: Ausschnitt von der EWK "Kreis Neuruppin" (1:60 000). VEB H. Haack, Gotha 1985. (PTA und Fachberatung: E.Breetz).

6. Abbildung: Ausschnitt von der Schülerhandkarte "Kreis Havelberg" (1:125.000). VEB H. Haack, Gotha 1985. (PTA & Fachberatung: E.Breetz).

 

Siehe auch:

Adernetz der brandenburgischen Landschaften
Binnenländisches Flussdelta – Spreewald
Brandenburg – eiszeitlich geformtes Land
Brandenburgische Großlandschaften
Schweizen der Mark

In  Wikipedia:

Brandenburg
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Luch
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