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Nordbrandenburgischer Landrücken

Abschnitt des Baltischen Landrückens

Nördlicher Landrücken (Abschnitt)Betragen die Höhenlagen der Niederungen in den brandenburgischen Anteilen der   Urstromtäler (außer im Oderbruch) rd. 30-40 m ü.NN, so weisen die beiden Landrücken Brandenburgs absolute hypsometrische Niveaus von 100 Metern und mehr auf. Wir setzen für den Nördlichen Landrücken in Brandenburg als untere Grenze etwa die 40 m-Höhenlinie an.

Der nördliche hohe Teil Brandenburgs ist ein Abschnitt des Baltischen (Nördlichen) Landrückens, der sich von Schleswig-Holstein über Mecklenburg-Vorpommern nach Polen erstreckt. Der mecklenburgische Anteil erfasst auch die nördliche Region Brandenburgs (von der Prignitz über das Ruppiner Land bis zur Uckermark).

In die Prignitz ragen von Mecklenburg die Ruhner Berge (178 m ü.NN) hinein. Die höchste Erhebung des Nordbrandenburgischen Landrückens ist die Prignitzer Kuppe (153 m ü.NN  - Grundmoränenerhebung der Saale-Eiszeit, Stauchungsgebiet). Ausläufer der Hügellandschaften von der Region um den Feldberg und um die Helpter Berge (mit 179 m ü.NN das höchste Gelände des Nördlichen Landrückens in Deutschland) erstrecken sich in die westliche Uckermark als Geländelagen von ca. 120 m ü.NN, wo sich auch der Naturpark „Uckermärkische Seen“ befindet. Die höchste Erhebung der Uckermark ist der Telegraphenberg (138 m ü.NN) im Biosphärenreservat "Schorfheide-Chorin".

Auch die hügelige, bewaldete „Neustrelitzer Kleinseenplatte“ ist „grenzüberschreitend“, belebt malerisch-touristisch die nördlichen Bereiche des Ruppiner Landes und der Granseer Region (Raum Rheinsberg – Fürstenberg). Der nördliche Höhenzug des Bundeslandes Brandenburg hat somit insgesamt etwa 1900 Seen aufzuweisen. Die Uckermark besitzt außerdem noch einige hundert Kleinstseen (je unter 1 ha. Größe) und zahlreiche Pfuhle/Sölle (eh. Toteislöcher mit Durchmessern von nur einigen Metern).

Kreis Neuruppin, AusschnittJüngstes Glazialgebiet  Brandenburgs

Der Übergang vom Thorn-Eberswalder Urstromtal zu den Anhöhen des Landrückens vollzieht sich im allgemeinen allmählich; nur der Oderberger Talabschnitt weist einige steile Übergänge auf.

Der Nordbrandenburgische Landrücken ist zum größten Teil das jüngste Glazialgebiet der Mark (Weichsel-Eiszeit). Ebene, flachwellige bis kuppige, sandige,  lehm- oder mergelhaltige Grundmoränenflächen, frische Endmoränenketten, großräumige Sandergebiete mit gelegentlichen Flugsandfeldern, feuchte Flußniederungen mit vereinzelten Talsanddünen und zahlreiche Seen (stellenweise mit Verlandungserscheinungen) künden besonders im Ruppiner Land und in der Uckermark davon.

Die Eisstillstandslage des Frankfurter Stadiums, das auch die Hochflächen von Lebus und vom Barnim ziert, verläuft durch das Ruppiner Land; das jüngere Pommersche Stadium hinterließ in der Uckermark seine Spuren. Wenn auch die westliche Prignitz im Unterschied zum übrigen Nordbrandenburgischen Landrücken größtenteils Altmoränengebiet (Saale-Eiszeit) ist (abgesehen von der unteren Elbtalniederung – Biosphärenreservat „Flußlandschaft Elbe/Brandenburg“), so fällt der genetische Unterschied in den heutigen Reliefformen kaum ins Auge.

Die Grundmoränengebiete, denen mitunter Endmoränen aufgesetzt sind und die oftmals Sanderaufschüttungen als Decke tragen, werden zwischen deutlichen Niederungen von Fluß- oder Bachtälern manchmal auch als „Platten“ bezeichnet. So werden beispielsweise unterschieden: Prignitzer Platte zwischen Eldeniederung und Dossetal, Ruppiner Platte zwischen Dosse und Rhin, Granseer Platte zwischen Rhin und Havel, Britzer Platte zwischen Werbelliner Senke und  Choriner Niederung sowie Prenzlauer Platte zwischen Ückerrinne und Randowbruch.

Fruchtbares Ackerland bzw. lehmhaltige Grundmoränenflächen (eben bis hügelig) sind im nördlichenTeil und im östlichen Territorium der Uckermark (um Prenzlau, Boitzenburg und Angermünde) sehr verbreitet, mit Abstand gefolgt von der weitgehend waldarmen Prignitz (z. B. um Pritzwalk und Kyritz). Diese Regionen sind die bedeutendsten Ackerbaugebiete des Bundeslandes Brandenburg, wobei die Uckermark den ersten Platz belegt (2011).

Das weiträumigste Sandergebiet ist die „Wittstock (Kyritz)-Ruppiner Heide“. Dieses große, fast geschlossene und vorwiegend bewaldete Sandergebiet der "Wittstock-Ruppiner Heide" von der Region um Berlinchen (nordöstl. von Wittstock) über Gadow, Rheinsberg-Glienicke und Frankendorf bis in den Alt-Ruppiner Raum ist die ausgedehnteste glazigene Landschaft der Frankfurter Eisrandlage im Nordbrandenburgischen Landrücken. Sanderreich, häufig mit Flugsandbildungen, ist auch die Granseer Platte, besonders im hügeligen Waldseenland des Nordens. Bekannt sind auch die großen Sandervorkommen im Westen und im Süden der Uckermark (z. B. das seenreiche Waldhügelland im Raum Lychen-Templin und das ausgedehnte Biosphärenreservat „Schorfheide-Chorin“). Die Sandflächen im Gebiet Putlitz - Meyenburg sind teils Sanderflächen des Frankfurter Stadiums der Weichsel-Eiszeit, teils sandige Grundmoränenflächen der Saale-Eiszeit.

Die teils sandig-kiesigen, teils mit Blockpackungen versehenen Endmoränenerhebungen sind meist bewaldet und beleben das Landschaftsbild.

Das größte Niederungsgebiet innerhalb des Nordbrandenburgischen Landrückens ist das längliche „Randowbruch“, das etwa ab dem Ort Schmölln in 2 Richtungen abfließt (nach Norden und nach Süden) und am südlichen Ende in das „Welsebruch“ übergeht. Das Welsebruch mündet bei der Stadt Schwedt in die untere Oderniederung (ca. 1 m ü.NN) mit  dem Natonalpark „Unteres Odertal“. Auch die „Ückerrinne“ (15-20 m ü.NN) mit ihren beiden Seen bildet eine langgestreckte Talniederung.

Ist der nördliche Höhenzug Brandenburgs insgesamt weitestgehend das jüngste Glazialgebiet des Landes, so ist die Uckermark als Teil des Höhenlandes der „Klassiker“  der morphogenetischen Vergangenheit. Nicht zufällig verläuft die touristische „Märkische Eiszeitstraße“ in der maßgeblich durch das Frankfurter Stadium und durch mehrere Inlandeis-Rückzugsstaffeln des Pommerschen Stadiums geprägten Uckermark.

Literatur und Quellen

BREETZ, E.: Landschaften. In: M. Brandt (Hrsg.): Wissenswertes über das Land Brandenburg. Berlin 1994, Kapitel III, S. 30-54. ISBN 3-06-092142-3.

BREETZ, E.: HEIMATATLAS Brandenburg. 4. Auflage, Berlin 2004. ISBN 3-06-040307-4.

BREETZ, E.: HEIMATATLAS Mecklenburg-Vorpommern. Berlin 2009 (4. Auflage, 1. Druck).   ISBN 978-3-06-040306-6.

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BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte "Kreis Wittstock"  1:100.000. Gotha 1984.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte "Kreis Gransee"  1:125.000. Gotha 1984.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Pritzwalk“ 1:100.000. Gotha 1985.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Kyritz“  1:100.000. Gotha 1985.

BREETZ, E. u.a.: Schulwandkarte „Kreis Prenzlau“ 1:60.000. Gotha 1986.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Templin“  1:100.000. Gotha 1986.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte "Stadtkreis Schwedt/Oder und Kreis Angermünde"  1:100.000. Gotha 1986.

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ISBN 978-3-85000-221-9.

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SCHOLZ, E. u. WANDREY, E.: Hand-/Posterkarte  „Geomorphologische Übersichtskarte der Bezirke Potsdam, Frankfurt/Oder und Cottbus“ 1:500.000. Gotha/Leipzig 1964.

SONNTAG, A. u.a.: Geologische Übersichtskarte 1: 100 000 "Landkreis Prignitz" (mit Beiheft). LBGR/LVG Brandenburg (Hrsg.). Cottbus u. Potsdam 2008.  ISBN 978-3-7490-4176-3.

SONNTAG, A. u.a.: Geologische Übersichtskarte 1: 100 000 "Landkreis Ostprignitz-Ruppin" (mit Beiheft). LBGR/LVG Brandenburg (Hrsg.). Cottbus u. Potsdam 2010.  ISBN 978-3-7490-4178-7.

 

1. Abbildung: Ausschnitt aus der SCHÜLERHANDKARTE "Bezirk Potsdam - Oberflächengestalt" (1:500 000 ). Rat des Bezirkes Potsdam - Abt. Volksbildung, Potsdam 1980 - 7. Ausgabe. (Konzeption: E.Breetz).

2. Abbildung: Ausschnitt aus der SCHULWANDKARTE "Kreis Neuruppin" (1:60 000). VEB H. Haack, Gotha 1984. (PTA: E.Breetz).

 

Siehe auch:

Brandenburg – eiszeitlich geformtes Land
Brandenburgische Großlandschaften
„Hochland“ der Mark – Fläming und Niederlausitzer Höhen
Märkische Luche – kultivierte Sumpf- und Flachmoorgebiete
Oderbruch – schlickreiche Flussniederung mit Altarmen
Seenreiches Bundesland Brandenburg