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Oderbruch – schlickreiche Flussniederung mit Altarmen

OderbruchDas Oderbruch ist eine markante Niederungslandschaft im Nordosten des Landes Brandenburg. Es erstreckt sich als Teil des Odertales vom Ort Oderberg im Norden ca. 70   Kilometer bis zum Lebuser Sporn im Süden. Diese Landschaft  zwischen dem Fluss Oder und den Platten Barnim und Lebus, die zum Teil steil mit Höhen von 30-80 Metern zur Niederung abfalllen (besonders bei Bad Freienwalde), hat eine durchschnittliche Breite von 15 Kilometern. Auf dem benachbarten polnischen Territorium ist ein schmaler Streifen des Oderbruches, flankiert von zum Teil steilwandigen Moränen der Pommerschen Eisrandlage.

Das Höhenniveau des Oderbruches beträgt im Süden ca. 12 m ü.NN und 1-3 m über dem Meeresspiegel im Norden. Zum höheren Eberswalder Urstromtalabschnitt und dem Haveltal (36 m Höhenunterschied) mußte für die Schiffahrt ein Schleusensystem bzw. ein Schiffshebewerk bei dem Ort Niederfinow errichtet werden.

Die schmale Fortsetzung des Oderbruches bildet im Norden der Nationalpark „Unteres Odertal“ und im Süden die Talrinne von Lebus und Frankfurt.

Die heutige Großniederung des Odertales (2011) entstand im Postglazial der Weichsel-Kaltzeit, als ein gewaltiger Toteisblock langsam auftaute und das Erdreich nachstürzte.

Vom sumpfigen „Bruch“, das ursprünglich von offenen Wasserflächen bzw. Altarmen der Oder und dichten Erlen-Eichen-Auenmischwäldern eingenommen war (die Oder trat mehrmals im Jahr über ihre Ufer, wobei sie auch sandig-tonigen Schlick in der Niederung ablagerte), sind nur noch kleine Reste vorhanden, nachdem sich im Mittelalter die Menschen vornehmlich als Fischer auf den etwas höher gelegenen Talsandinseln niedergelassen hatten und vor allem Mitte des 18. Jahrhunderts Friedrich II durch Trockenlegung das überschwemmungsgefährdete, aber schlickreiche Land urbar machen ließ.

Der preußische König ließ u.a. Altarme bzw. alte Verläufe des Oderstromes weitgehend isolieren (bei/nach Überschwemmungen suchte sich die Oder oft schlängelnd ein neues Bett; ein Labyrinth von Altwässern mit vielen kleinen Seen und Tümpeln blieb zurück ), den Fluss selbst begradigen und eindeichen, Entwässerungsgräben ziehen und neue Ortschaften bzw. Einzelgehöfte für die angeworbenen Siedler (Kolonisten) anlegen. Die Orte der Kolonisten (meist als Straßendörfer angelegt) erhielten oft die Zusatzbezeichnung „Neu“ (z. B. Neurüdnitz, Neutrebbin, Neu Tucheband) und die „verlosten“ Einzelgehöfte die Bezeichnung „Loose“ (beispielsweise Güstebieser Loose, Zäckericker Loose).

Kreis Bad FreienwaldeVor allem bewirkte der preußische König Friedrich II die Verlegung eines aktiven Oderabschnittes, indem bei Neuglietzen ein künstlicher Durchstich des Neuenhagener Sporns erfolgte, so dass kein regulärer Umlauf der Oder um die Neuenhagener Platte (nun: Nh. „Insel“) mehr bestand. Der bisherige, größtenteils eingedeichte (letzte) alte Oderlauf (Güstebieser Oder) wird nur noch als Gewässerentlastung des um 25 Kilometer verkürzten Hauptflusses und als „Wassersammler“ vieler Altarme und Entwässerungsgräben genutzt. Unter Friedrich II wurde maßgeblich das riesige Sumpfland an der mittleren Oder durch „Großraum-Melioration“ in eine fruchtbare Agrarlandschaft verwandelt. Aus fruchtbarer, aber unwirtlicher Naturlandschaft wurde eine ertragreiche Kulturlandschaft. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts avancierte das Oderbruch, unterstützt durch entsprechende Verkehrsanbindung, zum „Gemüsegarten Berlins“.

Die fast tischebene, weitestgehend waldfreie Region des heutigen Oderbruches mit fruchtbaren tonigen Flussschlickböden ist landschaftlich geprägt von Äckern (von zahlreichen Gemüse-, Zuckerrüben-, Weizen- und Sonnenblumenfeldern) und Wiesen.

Zum Hauptort des Oderbruches, zum „Tor des Oderbruches“, entwickelte sich die Stadt Wriezen (ca. 6.500 Einw.; 3-4 m ü.NN) am Fuße des Barnim, gelegen an der Güstebieser Alten Oder.

Literatur und Quellen

BREETZ, E.: Schülerhandkarte „Bezirk Frankfurt“  1:400.000. Gotha 1988.

BREETZ, E.: Regionalkarte ,,Uckermark, Barnim, Spree-Oderland" 1: 400.000. In: HEIMATATLAS Brandenburg. Berlin 2004 (4. Auflage), S. 16/17.  ISBN 3-06-040307-4.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Seelow“  1:125.000. Gotha 1983.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Bad Freienwalde“  1:100.000. Gotha 1984.

O. V.: Der Barnim & das Oderbruch. = BRANDENBURG, Band 1 „Der Osten“. Groß Dölln 2003.   ISBN 3-931021-47-5.

O.V.: Oderbruch und Lebuser Land. Deutsch-polnische Radwander- und Freizeitkarte 1:75.000. Berlin und Warschau 2003.   ISBN 3-934895-34-4.

SCHEDDEL, K.: Ganz Brandenburg. Berlin 2004.   ISBN 3-935029-11-X.

SCHOLZ, E.u.a.: Die naturräumliche Gliederung Brandenburgs. Potsdam 1962.

 

1. Abbildung: Ausschnitt aus SCHÜLERHANDKARTE "Land Brandenburg" (1:600 000). Volk und Wissen Verlag GmbH, Berlin 1994 - 2. aktualisierte Auflage. (Mitarbeit: E.Breetz).

2. Abbildung: SCHÜLERHANDKARTE "Kreis Bad Freienwalde" (1:100 000). VEB H. Haack, Gotha 1984. (PTA & Fachberatung: E.Breetz).

 

 

Siehe auch

Binnenländisches Flussdelta – Spreewald
Märkische Luche – kultivierte Sumpf- und Flachmoorgebiete