Diese Seite drucken

Schweizen der Mark

Märkische SchweizIm Bundesland Brandenburg gibt es 2 namentlich ausgewiesene Schweizen: Die bekannte „Märkische Schweiz“ und die weniger bekannte „Ruppiner Schweiz“. Beide ähneln en miniature einer Schweizer Bergseenlandschaft.  (Zugegeben - etwas übertrieben.)

Steilwandige Hügel/Berge, schroffe Schluchten und tiefeingeschnittene Täler, Bäche, Flüsse, Seen und Wälder sind charakteristische Landschaftsmerkmale der Schweizen der Mark. „Schweizverdächtig“ sind insofern beispielsweise auch die Rinnengebiete vom Scharmützelsee (Beeskower Platte) und vom Gamengrund (Barnim-Plateau) sowie die Ückerrinne (Uckermark), während z. B. die Rinnenseenkette von Kyritz (Borker See bis Klempowsee) infolge der Niederungslage das Prädikat nicht zu erwarten hat.

Die beiden märkischen Schweizen im vorherrschenden Jungmoränengebiet Brandenburgs entwickelten sich in den letzten Jahrzehnten zu Erholungs- und Touristenzentren; am intensivsten die verkehrsmäßig von Berlin aus günstig erreichbare Märkische Schweiz.

Märkische Schweiz

Die Märkische Schweiz, geformte Glaziallandschaft der letzten Kaltzeit (Weichselglazial),   ist mit ca. 200 km²  Fläche der kleinste Naturpark Brandenburgs. Dieses Großschutzgebiet befindet sich zwischen den Orten Strausberg, Prötzel, Neuhardenberg und Müncheberg.  Die „Hauptstadt“/der Hauptort mit ca. 2000 Einwohnern ist der Kneipp-Kurort  Buckow (etwa 60 km östlich von Berlin).  (2011)

Diese Stadt mit ihren kulturhistorischen Einrichtungen und mit ihren Hotels und Restaurants ist die „Perle der Märkischen Schweiz“. Alle natürlichen Besonderheiten und Landschaftsreize sind  innerhalb und am Rande der Stadt zu finden. Dies sind vor allem: Bewaldete Hügel, schroffe Täler, ca. 20 Kleinseen sowie Moore und Wiesen (z. B. Rotes Luch, Umgebung der Klobichseen, Minniseengebiet zwischen Buckower Altstadt und Waldsieversdorf).

Die Talrinne des Stöbber-Baches trennt die Platten von Lebus und vom Barnim. Die Stöbber bildet etwa in der Mitte des Roten Luches eine Wasserscheide, fließt dort -  gespeist durch eigene Quellen und Meliorationsgräben – teils zur Nordsee über die Spree, und teils zur Ostsee über die Oder. Die Stadt Buckow liegt in einer beckenartigen Erweiterung des Stöbber-Tales. Die Märkische Schweiz wird deshalb auch mitunter als „Buckower Kessel- und Hügelland“ oder als „Kanton Buckow“ bezeichnet.

Tiefeingeschnittene, steilwandige Täler (ca. 10-20 Meter Höhe am unteren Abschnitt), „Kehlen“ genannt, münden vor allem in den größten See, den 45 m tiefen Schermützelsee (etwa 26 m ü.NN Spiegelhöhe), z. B. Fischerkehle, Grenzkehle, Langer Grund, Schwarze Kehle. Die Kehlen sind meist eh. unterirdische Ausspülungen (tauende Toteisreste) und durch späteren Einsturz der Erdoberfläche entstanden, was wohl auch für das gesamte Buckower Becken gilt. Sie sind vereinzelt ebenfalls an den Rändern von kleineren Seen und von Niederungen des Buckower Kessels anzutreffen, beispielsweise die  Drachenkehle, die Wolfsschlucht und die Hölle-Kehle.

Die höchsten Erhebungen in der weiteren Umgebung der Stadt (z. B. Krugberg mit 129 m Meereshöhe und Wachtelberg mit 120 m absoluter Höhe) sind Endmoränen des Frankfurter Stadiums, während die hohen Geländelagen innerhalb und am Rande der Stadt Buckow (ca. 40-70 m Meereshöhe) Kuppen von Grundmoränenflächen sind (z. B. Schlossberg mit 63 m, Reicheltsberg  mit 56 m und Spitzer Berg mit 53 m ü.NN). Sowohl in den Endmoränen als auch in der Grundmoräne sind mehr oder weniger große Findlinge enthalten. Der größte skandinavische Stein ist der Findling nahe dem Ort Bollersdorf mit 18 Metern Umfang und 110 Tonnen Gewicht.

Fast die Hälfte des Naturparkes „Märkische Schweiz“ ist mit Wald bedeckt, vor allem in und um Buckow und Waldsieversdorf. In den hohen bzw. trockenen Geländelagen ist die Kiefer die Hauptholzart, mit Abstand gefolgt von Fichte und Lärche; während in den tieferen Lagen Laubmischwald vorherrscht, besonders Birken (Unkraut des Waldes), Robinien, Buchen und Eichen. Erlenbruchwälder als Reinbestand oder in Baumgesellschaft mit Pappeln, Birken und Weiden beleben an mehreren Stellen die Niederungen. In der Märkischen Schweiz findet man fast alle in Deutschland vorkommenden Laubhölzer.

Neuruppin AusschnittRuppiner Schweiz

Die Ruppiner Schweiz, eine rinnenseereiche Landschaft, liegt im westlichen Teil des Naturparkes „Stechlin-Ruppiner Land“. Sie  erstreckt sich vom Kessel des Kalksees (mit dem Ort Binenwalde) im Norden bis zum Südende des langgestreckten Molchowsees (Ausdehnung der Schweiz etwa 20 km N – S und 10 km W – O). Altruppin gilt als das „Tor der Ruppiner Schweiz“ (2011).

Bewaldete Hügel, steile Hänge, tiefe Täler, verborgene Quellen und klare Seen mit Verlandungserscheinungen prägen die Landschaft. Schon der in Neuruppin geborene ehemalige Schriftsteller sowie märkische Romancier und Dichter Theodor Fontane schwärmte u.a. von dieser Landschaft: „Ausgestreckt am Hügelabhang, den Wald zu Häupten, den See zu Füßen, so träumst du hier, bis die wachsende Stille dich erschreckt.“
(Fontane-Nachdr. 1997, S. 335).

Das Herzstück dieser Schweiz (Naturparadies) ist vor allem das waldreiche Hügelgebiet um den Tornowsee, der mit dem Kalksee (eh. Toteisloch; ca. 53 m ü.NN Wasserspiegelniveau) durch den eingeschnittenen Binenbach verbunden ist, und um den Zermützelsee, der das Flüsschen Rhin aufnimmt.

Am Tornowsee, zu dem der vorwiegend von Buchen bedeckte Weilerberg mit 46 m relativer Höhe steil abfällt, sind die malerisch am nördlichen Ufer gelegene Ausflugsgaststätte „Boltenmühle“, am Westufer die Mündung des Kunster-Tales mit dem Heimtierpark „Kunsterspring“ und im Süden das Campingzentrum „Rottstiel“ touristische Anziehungspunkte. Die waldbedeckten Erhebungen um den Tornowsee (ca. 80 m Meereshöhe) sind Endmoränen des Frankfurter Stadiums.

Am Westufer des von Laubmischwald (hauptsächlich Buchen und Eichen) umgebenen, buchtenreichen Zermützelsees hat das „Waldmuseum“ von Stendenitz sein Domizil. In der nordöstlichen Seebucht mündet das Flüsschen Rhin ein, nachdem die Bäche Rheinsberger Rhin (Quellgebiet: Rheinsberg-Zechliner Seenplatte) und Lindower Rhin (Abfluss der Lindower Gewässer) sich nordwestlich der Waldsiedlung Zippelsförde vereinigt haben.

Zwischen der kleinen Zermützelbrücke (Straßenbrücke) und der hölzernen Molchowbrücke (Fußgängerbrücke) erstreckt sich (mehrmals wie in einem "Waldtunnel") der schmale Tetzensee, dem in südlicher Fließrichtung des verbindenden Rhins der enge Molchowsee bis zur Schleuse Neumühle folgt.

Nördlich des Kalksee-Kessels besitzen einige Endmoränengipfel Höhen zwischen 100 m und 120 m ü.NN. Vom Zermützelsee nach Süden sind die Hügelkuppen (ca. 60 m ü.NN) in Grundmoränengebieten und Sanderbereichen vertreten.

Die Spiegelhöhe der miteinander verbundenen Seen beträgt - außer dem Kalksee - etwa 40 m Meereshöhe. Während der Binen-Bach  mit relativ starkem Gefälle vom Kalksee in den Tornowsee fließt und der Rottstiel-Bach den Tornowsee mit dem Zermützelsee verbindet, stellt der Rhin in seinem weiteren Verlauf die Verbindung zu den übrigen Rinnenseen (Tetzen- und Molchowsee) her. An den Ufern der 5 Seen sind mitunter Erlenbrüche sowie Schilfgürtel als Zeichen der Verlandung zu bemerken.

Laubmischwald überwiegt in den Hügellandschaften der Ruppiner Schweiz; Nadelbäume
(vor allem Kiefern) sind seltener.

Die Ruppiner Schweiz ist ein bewaldetes Hügelland mit langgestreckten, klaren Seen in einer glaziofluviatilen Rinnenvertiefung.

Der im Rheinsberg-Zechliner Seengebiet entspringende Rheinsberger Rhin änderte - nach Ansicht des Verfasssers - im frühen Postglazial bei der heutigen Siedlung Zippelsförde nicht seine südliche Laufrichtung, sondern floss leicht mäandrierend in einer Talrinne über das Gebiet des heutigen Ortes Herzberg und die sich weitende Schmelzwasserrinne (Neukammer Luch) in das Thorn-Eberswalder Urstromtal (Oberes Rhinluch).  (Vgl. auch "Märkische Luche.../Rhinluch" in dieser Homepage.)

 

Literatur und Quellen:

AUTORENKOLLEKTIV: Werte unserer Heimat, Band 37 „Ruppiner Land“. Berlin 1981.

BERGER, TH. und DOMNIK, H.: Die Märkische Schweiz – Ein Kleinod ostdeutscher Landschaft. Neuenhagen 2005. ISBN 3-933603-31-5.

BREETZ, E.: Schülerhandkarte „Bezirk Frankfurt“  1:400.000. Gotha 1988.

BREETZ, E. u.a.: Schulwandkarte „Kreis Neuruppin“ 1: 60.000. Gotha 1981.

BREETZ, E. u.a.: Schülerhandkarte „Kreis Strausberg“ 1: 100.000. Gotha 1983.

FONTANE, TH. : Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Erster Band „Die Grafschaft Ruppin“. (Nachdruck). Köln 1997. ISBN 3-89508-696-7.

GÄBLER, V.: Ruppiner Land. Erfurt 1992. ISBN 3-7352-0271-3.

O. V.: Topographische Karte 1: 25 000 „Märkische Schweiz“. Potsdam 1992. ISBN 3-7490-0291-6.

O. V.; BRANDENBURG, Bd. 2 "Der Norden - Das Ruppiner Land". Groß Dölln 2000. ISBN 3-931021-38-6.

O. V.: Rad- und Wanderkarte „Rheinsberger Seengebiet und Ruppiner Land“ 1:50.000. Geseke 2008. ISBN 978-3-89920-329-5.

RASMUS, C. und KLAEHNE,B.: Naturparks in Brandenburg. Berlin 2000. ISBN 3-933135-05-2.

RASMUS, C. & B: Uckermark & Ruppiner Land. Berlin 2006. ISBN 3-933135-19-2.

SCHEDDEL, K.: Ganz Brandenburg. Berlin 2004. ISBN 3-935029-11-X.

 

1. Abbildung: Nebenkarte aus "HEIMATATLAS Berlin", S. 6.2 "Physische Karte" (1:100 00). Cornelsen Verlag Berlin, 1. Auflage - 2. Druck. Berlin 2010. (Konzeptionelle Atlasmitarbeit: E.Breetz).

2. Abbildung: Ausschnitt von der Schülerhandkarte "Kreis Neuruppin" (1:150 000). VEB H. Haack, Gotha 1981. (PTA & Fachberatung: E.Breetz).

 

Siehe auch

Brandenburgische Großlandschaften
Brandenburg – eiszeitlich geformtes Land
Seenreiches Bundesland Brandenburg