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Unterrichtliche Kartenarbeit

AnaglyphenkarteUnterstufe  (Primarstufe)

In der allgemeinbildenden Schule beginnt heutzutage (2007) die Kartenarbeit bereits in den Unterstufenklassen 2,3 und 4 der Grundschule. Die Einführung der Schüler in das Wesen des Mediums „Karte“ und in die Nutzung dieses Unterrichtsmittels muß im Heimatkunde-/Sachunterricht erfolgen, da die regionalen Einheiten dieses Faches beim Voranschreiten „vom Nahen zum Fernen“ in den meisten Fällen nicht mehr durch die unmittelbare Ansicht überschaut bzw. erkundet werden können. In der 3. Jahrgangsstufe ist es im allgemeinen der Heimatkreis;  in der Klasse 4 ist es das heimatliche Bundesland.

So werden die Schüler von der direkten Betrachtung und Beobachtung über Modelle und Pläne des Schulgrundstückes und des Heimatortes bzw. Wohngebietes zur allgemein-geografischen („physischen“) Karte des heimatlichen Kreises und zur Karte des eigenen Bundeslandes geführt. Dementsprechend sollten die Schüler am Ende der Klasse 4 ein Basiswissen über das Medium „Karte“ besitzen und erste Fertigkeiten in der Nutzung von Landkarten aufweisen.

Mittel- und Oberstufe  (Sekundarstufen)

Eine mehr oder weniger systematische Weitentwicklung des in der Unterstufe eingeführten Kartenverständnisses und des Gebrauchs von Karten erfolgt in der Mittelstufe (Jahrgangsstufen 5 bis 7/8) und in der Oberstufe (Klassen 8/9 bis 12/13), vor allem im Fach Geografie. In fast jedem geografischen Weltatlas und Regionalatlas ist ein Teil „Einführung in das Kartenverständnis“ oder „Vom Bild zur Karte“ verfügbar. Auch in einigen anderen Unterrichtsfächern – z.B. in Geschichte, Sozialkunde und Politik – werden in wachsendem Maße kartografische Darstellungen als Medien genutzt.

Im Geographieunterricht der fünften Klasse werden nicht nur das bisherige kartografische Wissen und Können der Schüler gefestigt, sondern durch die Einführung und den Einsatz thematischer Karten wesentlich erweitert. Jeder Kartentyp besitzt seinen eigenen speziellen Zeichenschlüssel, den die Schüler bewußt zu beachten haben.

Auch im Geschichtsunterricht kommen bereits ab Klasse 5 Karten zum Einsatz. Es sind fast ausschließlich thematische Karten – z.B. Standortkarten von Burgen, Schlössern oder Schlachtorten, Territorialkarten von Herrschaftsbereichen oder Karten von Kriegszügen, Völkerwanderungen und Gebietsveränderungen.

Die unterschiedlichen Handlungsräume beider Fächer in der Jahrgangsstufe 5 bilden jedoch eine Diskrepanz in der Kartenarbeit: Im Geografieunterricht wird vorwiegend der „Nahraum“ Deutschland behandelt; im Fach Geschichte dagegen bilden in den meisten Bundesländern die „ferneren“ Regionen des Mittelmeeres und Vorderasiens den Erschließungs- und Erkenntnisraum der Schüler. Die Geschichtslehrer aber setzen meist Kartenverständnis und kartografisches Können sowie territorial-räumliche Vorstellungen bei den Schülern voraus. Dennoch ist auch der Geschichtsunterricht der Klasse 5 eine entscheidende Etappe bei der Einführung der Schüler in die Vielfalt der Kartenwelt.

Bereits in Klasse 5, dem „Hauptfeld“ der Weiterentwicklung des Kartenverständnisses, aber forciert in den folgenden Schuljahren, bildet neben dem einfachen Kartenlesen das Kartenauswerten den Schwerpunkt der unterrichtlichen Kartenarbeit. Das Erkennen von kausalen und funktionalen georäumlichen Zusammenhängen, die Entnahme von „indirekten“ Informationen, steht im Vordergrund.

Auch die Förderung des Kartenzeichnens ist eine wichtige Aufgabe in den mittleren und oberen Klassenstufen. Das Kennenlernen des Gradnetzes und die Arbeit am Globus im Geografieunterricht der mittleren Jahrgangsstufen schränken das Einprägen „falscher Weltbilder“ (Umrißdeformierungen, Flächendisproportionen) ein.

Insgesamt geht es bei der erweiternden und vertiefenden unterrichtlichen Kartenarbeit in den Klassenstufen der allgemeinbildenden Schulen auch um die Erhöhung der „Kartenkompetenz“ (A.H. 1992), der Fähigkeiten des Umganges mit Karten. Dennoch ist die unterrichtliche Kartenarbeit nicht „Selbstzweck“ (abgesehen von einigen speziell-thematischen Stundenabschnitten), sondern vor allem „Mittel zum Zweck“, nämlich eine Tätigkeit zum Vermitteln bzw. Erarbeiten georäumlicher Vorstellungen und Erkenntnisse.

(Siehe Könnensentwicklung und Verfahrensweisen!)

Literatur

BACHLER, M.: Kartographie in der Volksschule/Grundschule ? Wozu ? In: Kartogr. Schr., Bd. 8, Bonn 2003, S. 33-40.

BREETZ, E.: Verfahren zur Fähigkeitsentwicklung des Kartenlesens unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes von Anaglyphenmaterialien. PH Potsdam 1971. (Diss. A - mit Bild- und Kartenbeilage).

BREETZ, E.: Zum Kartenverständnis im Heimatkunde- und Geographieunterricht. Berlin 1975.

BREETZ, E. : Fächerübergreifende Ausbildung der Schüler/innen in Kartenverständnis und Kartennutzung. In: Kartogr. Schr., Bd. 8, Bonn 2003, S. 9-15.

HAUBRICH, H. /RICHTER, D. u.a.: Didaktik der Geographie - konkret. München 1988 ff..

HERZIG, R. /HÜTTERMANN, A. /FICHTNER, U.: Kartographische Kompetenz von Studienanfängern geowissenschaftlicher Fachrichtungen. In: Kartogr. Nachr., H. 6/2007, S. 318-326.

HÜTTERMANN, A.: Kartographie und Schule – Auf dem Wege zu einer Didaktik der Schulkartographie. In: Wiener Schr. z. Geogr. u. Kartogr., Bd. 5, Wien 1992, S. 277-289.

JARAUSCH, H.: Zur Spezifik der Kartenarbeit bei der Erkundung des heimatlichen Lebensraumes durch Grundschulkinder im Sachunterricht. In: Kartogr. Schr., Bd. 8,  Bonn 2003, S. 16-32.

RAISCH, H.: Weniger ist oft mehr! - Grundlagen der Kartenarbeit im Geschichtsunterricht. In: Praxis Geschichte, H. 4/1999, S. 4-11.

 

Abbildung: Eigene Foto-Montage des SCHÜLERARBEITSBLATTES "Modell - Landschaft" in Anaglyphenmanier. Potsdam 1968. (Entwurf: E.Breetz).

 

Vgl. auch:  Anaglyphenkarte