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Zitate und Definitionen zur Schulkartografie

Lehrerband zum Heimatatlas Thüringen, Cornelsen/Volk und WissenZu den Zitaten

Zu den Definitionen

Zitatensammlung

Bereits zu Beginn der 70er Jahre wurde ... die Problematik der Notwendigkeit der Erforschung der Funktionen kartographischer Darstellungsformen angesprochen . ... Das wohl überzeugendste Beispiel bildet die Schulkartographie.
(R. OGRISSEK in: Theoretische Kartographie. Gotha 1987, S. 147).

Die traditionsreiche Schulkartographie als gemeinsames Arbeitsgebiet der Theoretischen und Praktischen Kartographie hat die Aufgabe, kartographische Medien für den Gebrauch in der Schule, insbesondere für den geographischen Unterricht, entsprechend dem jeweils aktuellen Bildungsauftrag und Technologiestand zu konzipieren und bereitzustellen.
(F. MAYER in: Wiener Schr. z. Geogr. u. Kartogr., Bd. 5, Wien 1992, S. 7).

Unter „Schulkartographie“ wollen wir alle Aktivitäten der Theoretischen und Praktischen Kartographie verstehen, die zur optimalen Gestaltung kartographischer Medien für den Gebrauch in Schule und Volksbildung, vorzugsweise im geographischen Unterricht, beitragen.
(W. SPERLING in: Wiener Schr. z. Geogr. u. Kartogr., Bd. 5, Wien 1992, S. 114).

Schulkartographie ist in erster Linie Kartennutzung, aber auch Kartenherstellung ...
(A: HÜTTERMANN in: Wiener Schr. z. Geogr. u. Kartogr., Bd. 5, Wien 1992, S. 288).

Das Verdienst, „Begründer der methodischen Schulkartographie“ zu sein, gebührt Emil von SYDOW.
(W. GÖRTLER in: Geogr. Bausteine, Neue Reihe, Heft 26, Gotha 1985, S. 70).

Die Karten geben kein Abbild der Wirklichkeit, sondern nur die Möglichkeit, sich die Wirklichkeit vorzustellen. ... Sie reden eine eigene Sprache, die übersetzt sein will.
(E. LEHMANN in: Peterm. Geogr. Mitt., H. 2/1952, S. 73).

Die Einstellung zur Karte und zur Kartennutzung im späteren Leben wird maßgeblich während der Schulzeit geprägt.
(R. OGRISSEK in: Wiss. Zt. d. TU Dresden, H. 3/1979, S. 702).

Der Umgang mit der Karte als geographischer Quelle, Arbeits- und Anschauungsmittel hat zu Recht eine unverändert starke Stellung in Schul- und Hochschulgeographie. Sie verdankt das ihrem grundlegenden komplexen Aussagewert und ihren vielfachen Verwendungsmöglichkeiten.
(H.-J. SANDER u. A. WENZEL in: Kartogr. Nachr., H.1/1975, S. 1).

Bild und Karte sind deshalb zentrale Unterrichtsmittel des Erdkundeunterrichts, weil sie
hinsichtlich des Abstraktionsgrades Extreme darstellen, die sich in nahezu vollständiger Weise gegenseitig ergänzen.
(L. BARTH in: Bild und Karte im Erdkundeunterricht. Berlin 1963, S. 10).

Eine ganze Reihe von Unterrichtsmitteln werden (in der DDR; E.B.) in den Dienst der Kartenarbeit gestellt: Wandkarten, Schiefertuchumrißkarten in einfacher und haftbarer Ausführung, Diapositivkarten, Projektionsfolienkarten, die Haupt- und Nebenkarten im Atlas, Schülerhandkarten, Umrißkarten und Kartenskizzen in Arbeitsblättern sowie eine große Zahl von Karten in Geographielehrbüchern, weiterhin kartenverwandte Darstellungen wie Globen, plastische Karten, Bildkarten, Vogelschaubildkarten, Blockbilder, Kartogramme und auch Luftbilder und Satellitenbilder.
Die methodische Literatur zum Kartengebrauch im Unterricht  ist außerordentlich reichhaltig und vielseitig; ...
(W. SPERLING in: Geographie und Geographieunterricht in der DDR. München 1977, S. 110).

Ohne innere raum-zeitliche Bilder, ohne Geschichtskarten können wir unser Menschsein nicht denken. Kartenlesen und -verstehen sind bedeutende Kulturtechniken. ... Historische Kartenkompetenz ist eine wichtige Qualifikation historischen Lernens.
(H. RAISCH in: Praxis Geschichte, H. 4/1999, S. 4)

Ohne die Geschichtskarte im Ensemble aller Unterrichtsmittel überzubewerten, ist sie doch über ein bloßes Mittel der Ortsbestimmung hinaus ein informativer Wissensspeicher, dessen schöpferische Auswertung pädagogisch wertvolle Denkprozesse auslösen kann.
(H.-J. FIALA in: Die Karte im Geschichtsunterricht. Berlin 1967, S. 3).

Wünsche, Vorstellungen, Anregungen und Kritik ...- und damit sind Kriterien angesprochen, die letztlich auch der Verbesserung von Karten in Schulatlanten dienen -, ergeben sich ausschließlich aus der unmittelbaren Arbeit mit dem Atlas in der Schule: Erst der Einsatz der Schulatlanten in der Praxis läßt die Möglichkeiten erkennen, die ihre Anwendung im Rahmen des Erdkundeunterrichts bieten.
(W. PLAPPER in: Leibbrand, W. (Hrsg.): Kartengestaltung und Kartenentwurf.
Bonn-Bad Godesberg 1988, S. 129).

Vom Wesen zum Lesen: Erst Kartenverständnis ermöglicht Kartennutzung – über Kennenlernen des Wesens zur Befähigung des Lesens einer Karte! ... Die Karte – Erkenntnisgegenstand und Erkenntnismittel des Schulunterrichts.
(E. BREETZ in: Die Unterstufe, H. 9/1987, S. 172).

Der Fachexperte/Fachmann sieht, was er weiß.   Der Schüler sieht, was er wahrnimmt.
(E. BREETZ im Manuskript der Studie "Mehrstufiges Schulatlaswerk". Potsdam 1986, S. 8).

Die „A – B – E“-Tätigkeitsfolge (Auszeichnen/Ausmalen, Bezeichnen/Benennen, Einzeichnen) ist in der Umrißkartenarbeit als Anforderungsniveaustufung zu beachten ...
Erst durch die Bearbeitung wird eine „stumme“ Umríßkarte zu einer „sprechenden“ Karte.
(E. BREETZ in: Die Unterstufe, H. 9/1978, S. 206/207).

Kartographische Lernsoftware kann und will das Printmedium Karte nicht einfach ersetzen. ... Jede hat ihre eigene spezielle Ausprägung und unterstützt ... ganz bestimmte Lerninhalte und Lernprozesse.
(R. HERZIG in: Kartogr. Schr., Bd 8, Bonn 2003, S. 98).

Auf einer Wanderung oder Reis' sieht man nur das, was man schon weiß.
(E. BREETZ frei nach der bewährten Reisemaxime des märkischen Schriftstellers und Dichters TH. FONTANE um 1865).
(Sonst düst man ahnungslos so durch die Gegend..Mit der Karte in der Hand erschließt man sich das ganze Land).

                                                                                              

 

 

Definitionen zur Schulkartografie

                                                                                                                                                     Die allgemein-geografische („physische“) Karte enthält als einziger Kartentyp für den Schulunterricht eine relativ komplexe, vielseitige geografische Aussage über die jeweils abgebildete Region. Diese mehrfarbig gestaltete Karte enthält außer den Umrissen der Festländer, Inseln und Meere, dem kontinentalen Gewässernetz und dem Relief als physisch-geografischen Landschaftselementen auch wesentliche Elemente der anthropogenen Sphäre – wie administrative bzw. staatliche Grenzen, Siedlungen und Verkehrswege. Sie wird als „topografische Grundkarte“ oder „topografische Übersichtskarte“ für den Geografieunterricht und für andere Unterrichtsfächer genutzt.

Anaglyphenkarten sind Stereokarten, bei denen im Brillenverfahren die komplementär eingefärbten Halbbilder (Karten) optisch getrennt werden. Potsdamer Schulversuche mit  diesen Materialien verliefen erfolgreich.

Die Didaktik der Schulkartografie nimmt als Unterrichtslehre, die sich mit der Gestaltung von Lernangeboten und von Lerntechniken beschäftigt, eine Zwitterstellung zwischen der schulischen Mediendidaktik und den Fachdidaktiken mehrerer Unterrichtsfächer (besonders der Geografie, der Geschichte und der Sachkunde bzw. Heimatkunde) ein. Im weiteren Sinne befasst sich diese Didaktik mit der Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens anhand kartografischer Medien.

Die Geografische Schulkartografie repräsentiert jenen Teilzweig der Schulkartografie, dessen Hauptaufgaben die konzeptionelle und redaktionelle Entwicklung lehrplan- und altersgemäßer kartografischer Medien für den Geografieunterricht (Mittel- und Oberstufe) und für den Sachkundeunterricht (Unterstufe) sowie die Erarbeitung von Praxishilfen zur Fähigkeitsentwicklung in der Kartennutzung bilden  Sie entwickelte sich als fachübergreifende schulkartografische Teildisziplin aus dem geografiemethodischen Bereich der Schulkartografie.

Die Kartenarbeit in der Schule umfasst 2 Tätigkeitsbereiche:

  1. Kartenverständnisentwicklung (Kennenlernen des Wesens einer Karte und von Techniken ihrer Nutzung)
  2. Kartennutzung (Gewinnung von Vorstellungen und Erkennntnissen über Georäume).

Erst Kartenverständnis ermöglicht Kartennutzung; häufige Kartennutzung vertieft und erweitert das Kartenverständnis.

Kartografische Unterrichtsmittel/Medien sind didaktisch-methodisch aufbereitete, verkleinerte, konstruktiv-zeichnerische oder fotografische, zwei- oder dreidimensionale Draufsichts- oder Schrägsichtsabbildungen von Georäumen, welche aufgrund einer bestimmten Auswahl oder begriflichen Kennnzeichnung der Darstellungsobjekte unter Berücksichtigung geometrischer Gesetze konstruiert sind und Lagebeziehungen verdeutlichen.

Schülerhandkarte ist ein für  die Hand des Schülers entwickeltes einzelnes Kartenblatt allgemein-geografischer oder spezieller Thematik, das in der Unterrichtsstunde, in der Hausarbeit, aber auch auf Unterrichtsgängen und Exkursionen als räumliche Orientierungshilfe und Informationsquelle dienen kann.

Schulkartografie ist eine synonyme Bezeichnung für schulbezogene Aktivitäten und Erzeugnisse eines Zweiges der Kartografie,  der mehrere Fachbereiche der allgemeinbildenden Schule erfasst. Es sind vor allem der Geografieunterricht und der Geschichtsunterricht. Diese  Fächer sind die breitesten Anwendungsfelder von kartografischen Medien im Schulunterricht, zumal für beide Wissenschaftsdisziplinen Raum  und Zeit grundlegende Koordinaten sind (Raum in der Zeit;  Zeit im Raum). Für ca.150 Jahre war die Schulkartografie häufig das „Pionierfeld“ der Kartografie (z. B. Regionalfarben, Schweizer Manier, Wenschow-Karten, thematische Karten). Schulkartografie ist "Basiskartografie für jedermann".
In der Schulkartografie werden im Allg. Kartengestaltung und -nutzung gleichrangig bearbeitet. Allerdings wird die Schulkartografie seit dem 60. Kartographentag in Hannover (2012) in der Kommissionsstruktur des neuen Vereins "DGfK - Gesellschaft für Kartographie und Geomatik" nicht mehr gesondert ausgewiesen. Sie ist inhärenter Bestandtel der Kommission "Kartographische Kommunikation".

(Alle Definitionen sind vom Homepage-Inhaber).

 

Abbildung: Cover des "Lehrerband - Heimatlas Thüringen". Volk und Wissen Verlag/Cornelsen Verlag, Berlin 2000. (Autor: E.Breetz).


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